Beim GenderSprech geht es nicht um Verbote, sondern den Erhalt unserer Sprache

So sahen früher die Druckplatten für Zeitungen aus.
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von THOMAS PAULWITZ

BERLIN – Ein einziges Verbot gibt es, das selbst Grünen zu weit ginge: das Verbot zu gendern nämlich. Kein Wunder, denn der Genderstern ist ein Grünenstern. Zwar sind die „Grünen“ als Verbotspartei verrufen, bei der Abschaffung ihres Markenzeichens würden sie sich jedoch heftig sträuben. Während es 53 Prozent der Deutschen richtig fänden, „staatlichen Stellen gesetzlich zu verbieten, geschlechtergerechte Sprache zu benutzen“, hielten es daher auch 64 Prozent der Grünen-Anhänger für falsch. Diese Zahlen des Meinungsforschungsinstitutes Civey veröffentlichte unlängst das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. Die Anhänger der anderen Parteien wären hingegen mehrheitlich für ein solches Verbot von Gendersternen, Genderdoppelpunkten, Binnen-Is und so weiter.

Dabei handelte es sich im Grunde nicht um ein Verbot, sondern um ein Gebot: nämlich die Rechtschreibung und Aussprache in derjenigen Norm zu verwenden, die in Deutschland üblich ist. Das allein schon bedeutet den Verzicht auf die von oben herab verordnete, ideologisch begründete Kunstsprache, die als Genderdeutsch bekannt ist. Der Ruf nach einem Verbot ist dabei eher ein Ausdruck der Ohnmacht. Wie kann es sein, dass Behörden, Universitäten und öffentlich-rechtliche Sender mit ihren Gendersternchen und Genderpausen fortlaufend gegen die Mehrheit handeln und derart an der deutschen Sprachgemeinschaft vorbeireden? Entsprechend groß ist die Bereitschaft der Deutschen geworden, dieses Treiben durch härtere Maßnahmen mit eindeutigen Verboten zu beenden.

„Merz schlägt Verbot von Gendersprache vor“

Der Wahlkampf zur Bundestagswahl hat die Genderdebatte befeuert, die nun erstmals sogar in eine Verbotsdebatte mündet. Das Thema Gendersprache „trifft offenbar einen Nerv“ und habe „das Zeug, zum Renner im Bundestagswahlkampf zu werden“, stellt der „Spiegel“ fest. Auslöser war ab dem 17. April die Berichterstattung über die Direktkandidatur von Friedrich Merz zum Deutschen Bundestag. Merz hatte lediglich bezweifelt, dass staatliche Stellen, Hochschulen oder öffentlich-rechtliche Sender das Recht hätten zu gendern oder andere zum Gendern zu zwingen. Trotzdem machte in den Medien schnell das Wort vom Gender-Verbot die Runde. „Merz schlägt Verbot von Gendersprache vor“ spitzte zum Beispiel das Magazin T-Online zu.
Während in Deutschland noch diskutiert wird, handelt in Frankreich der Schulminister Jean-Michel Blanquer. Er verbot am 6. Mai mit Hilfe einer Verordnung die Gendersprache an Schulen. Die Begründung lautete, die „inklusive“ Schrift mit ihren Binnenpünktchen stimme nicht mit den Regeln überein, die in den Lehrplänen verankert sind. Besonders Schülern mit einer Lese- und Rechtschreibschwäche sei das nicht zuzumuten.

Hamburger CDU fordert Gender-Verbot

Sowohl die Aufmerksamkeit für Merz als auch die Vorgänge in Frankreich spornten Politiker an, Gender-Verbote auch für Deutschland zu fordern. Im Kreis Lippe stellten FDP, CDU und Freie Wähler / Aufbruch C Anfang Mai den Antrag, das Gendern in der Kreisverwaltung zu verbieten. „Die deutsche Sprache ist schon kompliziert genug. Mit großem I in Wortmitten, _i oder * verunsichern wir Leute nur unnötig“, erklärte der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler / Aufbruch C, Andreas Epp. Die Bürgerlichen verfügen freilich über keine Mehrheit im Kreistag.

Doch nicht nur auf kommunaler, sondern auch auf Landesebene wird der Ruf nach Verboten laut. Jüngstes Beispiel ist der Hamburger Landesverband der CDU. Dessen Vorsitzender Christoph Ploß äußerte sich zu Pfingsten im „Spiegel“ und kurz danach bei Markus Lanz im ZDF. „Wir sollten uns an Frankreich orientieren, wo sich Regierung und Académie française klar gegen das Gendern ausgesprochen haben“, sagte er dem „Spiegel“. Zu Hause am Abendbrottisch dürfe selbstverständlich jeder nach Herzenslust gendern. „Aber von Beamten, Lehrkräften und Dozenten erwarte ich, dass sie im Dienst gültige Regeln und Normen nicht einfach willkürlich verändern.“ Deshalb sei für staatliche Stellen ein Gesetz nötig.

Am 26. Mai beschloss daher die Hamburger Parteiführung einstimmig: „Die Hamburger CDU spricht sich dafür aus, dass in allen Behörden, Schulen, Universitäten und anderen staatlichen Einrichtungen keine grammatisch falsche Gender-Sprache verwendet wird.“ Ploß fordert sogar, einen solchen Punkt auch ins Programm zur Bundestagswahl zu nehmen.

Gendersterne doch kein Ausdruck linken Zeitgeistes?

Doch die Union wäre nicht die Union, wenn konservative Forderungen nicht sofort Widerspruch von Parteifreunden erführen. Tobias Hans, Ministerpräsident des Saarlandes, widersprach Ploß in der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Hans freut sich über den Ersatz der hergebrachten Sprache durch Grünsprech: „Das wird jetzt endlich anders. Das ist gut so. Warum sollen wir das verbieten?“

Hans hat offenbar im Saarland den linken Kulturkampf der vergangenen Jahre nicht mitbekommen, wenn er meint: „Nur weil man ein Gender-Sternchen schreibt, ist das nicht gleich Ausdruck eines linken Zeitgeistes.“ So viel Schlafmützigkeit ist eigentlich kaum zu glauben. Wahrscheinlicher ist es, dass Hans auf der Welle des linken Zeitgeistes mitreisen will, um bei der Bildung einer schwarz-grünen oder auch grün-schwarzen Regierung im Bund mit dabei zu sein. Ob diese Rechnung auf Kosten der deutschen Sprache aufgeht, darf bezweifelt werden.

Letztlich geht es ja nicht um ein Verbot der Genderei, sondern um die Wiederherstellung des Rechts der Bürger, in einer ideologiefreien, normalen Sprache angesprochen zu werden; und darum, dass einem Bürger daraus, dass er normal spricht, keine Nachteile erwachsen.

Bildquelle:

  • Bleisatz: pixabay
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