Bei Facebook nicht in eine fremde Wohnstube rotzen!

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von MARTIN D. WIND

Es nervt. Es nervt nur noch. Und ich bin es langsam so leid, dass ich schon kurz davor war, selbst „gute Freunde“ auf Facebook zu blockieren. Das mache ich normalerweise nicht mal mit besten Feinden. Es fällt mir immer schwerer zu ertragen, wenn in den „sozialen Medien“ Menschen nicht beim Thema eines Ursprungsbeitrags bleiben. Noch schlimmer sind diese immer dümmlicher wirkenden „pawloschen Reflexe“: Sagt jemand „Putin“ kommt der andere mit „aber Trump“. Hallo?! „Trump“ ist hier gerade nicht Thema. „Putin“ ist Thema.

In einer nachdrücklich geführten Auseinandersetzung auf Facebook habe ich das Wirken solcher Auftritte so beschrieben: „Exakt das ist es. Man poltert durch die Türe in eine fremde Wohnstube und rotzt (Verzeihung 😉 ) seine Message in die Gegend ohne Rücksicht darauf, welches Thema der Gastgeber gerade angeschnitten hatte.“ Es ist schlicht ein Ausweis vergeblicher Erziehungsbemühungen und mangelnder Höflichkeit, sich dermaßen daneben zu benehmen. Das sage ich auch in dem Wissen, dass mir das und ähnliches manchmal durchaus auch mal passieren kann. Es ist mir dann zumindest peinlich. Und nicht selten lösche ich sang- und klanglos – meinetwegen sogar drei Tage oder vier Wochen später. Dennoch! Mir fällt bei solche Auftritten das Glas aus der Hand und ich bleibe – bildlich – mit offenem Mund zurück. (Keine Angst, wer mich kennt weiß, dass ich dennoch deutlich werden kann).

Was bei mir tiefgehende Verärgerung (was mich wiederum ärgert) auslöst – das ist einer der ganz wenigen Punkte, an denen ich richtig sauer, richtig gereizt werde – das sind Repliken – nicht die oben beschriebenen instinktiven  „Whataboutismreflexe“ – die mit dem Inhalt meiner (oder auch anderer) Postings nichts zu tun haben. Wortspenden, die aus reinen Projektionen und Unterstellungen bestehen und die daraus gerne noch eine politische Verortung dengeln, die – meistens sehr billig offensichtlich – dazu gedacht ist, den eigenen haltlosen aber haltungsträchtigen Buchstabensammlungen dennoch eine gewisse “Wirkkraft” zu verleihen, und sei es nur “moralisch”. Außerdem kann man dem Gegenüber mit dieser perfiden Infamie eine moralisch nicht akzeptable und toxische Gesinnung unterstellen, die man in unserer hysterischen Gesellschaft vom Diskurs per se auschließen kann.

Würde ich Mitmenschen als “dumm” erachten, würden mir solche absurden “Beiträge” am „Achtersteven“ vorbeirauschen. Dann wäre das ja normal: „Man gewöhnt sich an alles“. Nein ich will mich nicht „gewöhnen“.

Es ist meine grundsätzlich positive Einstellung zum Menschen und dessen kognitiven Fähigkeiten, die mich “anfällig” macht. Es ist mein Wille und Wunsch, jeden Menschen ernstnehmen zu können und ihm gerecht werden zu wollen, der mich reagieren und dann inzwischen manchmal auch recht deutlich reagieren lässt. Es sind diese bescheuerten Beiträge, die jeglichen Diskurs unnötig “zäh” machen, weil sie so weitschweifig und absurd phantasierend und projizierend um den Kern einer Sache schwadronieren. Sie zeigen letztlich beim besten Willen nicht mal ansatzweise, dass dieser Kern überhaupt erkannt werden kann. Solche Irrlichter einzufangen, ist eine nervenaufreibende Sache. Ehrlich gesagt bin ich der Meinung, dass niemand solche sinnlosen und bezugslosen „Beiträge“ benötigt. Sie stören. Beinahe alle. Eine Lösung habe ich leider bisher nicht gefunden. Man will ja schließlich „höflich“ bleiben obwohl solchen Menschen ein Scheunentor vor den Kopf wahrlich „gut“ täte.

Bitte, bitte ein wenig Bemühen zeigen! Und sei es nur, um nicht begriffsstutzig zu wirken. Das ist zwar weniger ehrenrührig als ungezogen zu sein, aber man kann es nicht ändern. Das unverschämte „Themensprengen“ hingegen, kann man mit ein bisschen Erinnerung an das, was einem die Eltern über „Gespräch“ beigebracht haben, gut unter Kontrolle bekommen. Danke!

Bildquelle:

  • Facebook_Cursor: pixabay
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