Bayerisches Brauchtum: «Distanz-Nockherberg» mit Laschet und Söder als «Don Juan de Corona»

CDU-Chef Armin Laschet nimmt aus dem Ratskeller des Aachener Rathauses am ersten «Distanz-Nockherberg» teil. Foto: Federico Gambarini/dpa
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Bei seiner Nockherberg-Premiere als CDU-Chef hat Armin Laschet gut lachen. Zugeschaltet aus dem historischen Rathaus in seiner Heimatstadt Aachen hat der nordrhein-westfälische Ministerpräsident beim ersten digitalen Derblecken der Geschichte am Freitagabend sichtlich Spaß – und mit laufender Sendezeit auch einen zunehmend roten Kopf. Genau wie viele andere der Spitzenpolitiker, die im Verlauf der Live-Sendung im Bayerischen Fernsehen beim ersten «Distanz-Nockherberg» immer wieder auf mal kleinen, mal großen Bildschirmen eingeblendet werden. Zur Erinnerung: Im vergangenen Jahr wurde die Veranstaltung kurzfristig wegen der Pandemie abgesagt.

Der einzige, der während der Fastenpredigt von Kabarettist Maximilian Schafroth auf einem Dauer-Großbildschirm auf der Bühne steht, ist Bayerns Ministerpräsident Markus Söder, zugeschaltet aus der Zirbelstube in der Staatskanzlei. Und der CSU-Chef ist es auch, der für seine Corona-Politik gleich zu Beginn ordentlich mit Spott überzogen wird: «Markus, du Don Juan de Corona. Die Herzen fliegen dir zu. Du bist auf dem Zenit, Markus, und alle machen was du sagst.» Weiter: «Wie du in Bayern durchregierst, die Gehsteige rauf und runter klappst, mit Hüftschwung um den Landtag rumregierst.»

Um es an dieser Stelle vorwegzunehmen, das Schafroths Experiment, ein digitales Derblecken, wie das Abwatschen in der Fastenpredigt in Bayern genannt wird, war ein Risiko, aber es ist gelungen. Auch wenn wegen der Corona-Krise erstmals kein Publikum im Saal auf dem Nockherberg zugelassen war, kommt das Format wegen gut ausgewählter Zuschaltungen der verspotteten Politiker aus Bund und Land sowie gelungener Liedbeiträge kurzweilig daher.

Ja mehr noch, anders als in früheren Jahren gibt es auch keine gefühlte Längen ohne krachende Pointen. Denn abseits der «großen Themen» Corona, Wirecard-Affäre und natürlich K-Frage kommt auch die Landespolitik mit ihren Protagonisten nicht zu kurz – Distanzunterrichtschmach und ein eingefrorenes Bild von Vize-Ministerpräsident Hubert Aiwanger (Freie Wähler) inklusive.

Schafroth nutzte die digitale Möglichkeit, sich in seiner Predigt auch auf die Bundestagswahl am 26. September einzuschießen, sozusagen einen «Kanzlergipfel» einzuberufen. Denn neben Söder und Laschet ist auch Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) mit von der Partie. Der Hanseate wirkte hinter seinem Tisch mit Bierkrug und Brotzeitbrettl aber ähnlich kühl wie die blaue Wand hinter ihm. In Anspielung an den Zoff mit Söder bei der Ministerpräsidentenkonferenz am Mittwoch in Berlin hielt Scholz einzig ab und an einen Schlumpf in die Kamera. Söder hatte Scholz in der Sitzung unter anderem mit dem Satz attackiert, er solle nicht so «schlumpfig herumgrinsen».

Schafroth lobte Scholz aber dennoch mit einer ordentlichen Portion Ironie dafür, dass er als «aktuell einziger Kanzlerkandidat der Bundesrepublik» für die SPD ins Rennen zu gehen: «Lieber Olaf, Gratulation zu deinem Mut. Also wenn die Bundestagswahl die Bundesjugendspiele wären, dann machst den 1000-Meter-Lauf von Anfang an und der Markus (Söder) rennt kurz vor der Ziellinie aus`m Gebüsch und sagt: «Leudde, so anstrengend war‘s jetzt auch wieder nicht»», In Berlin würden sie schon bei dem Gedanken zittern, dass Söder im Kanzleramt rumlaufe. «Die holen schon die Kruzifixe aus dem Keller.»

Vielleicht renne aber am Ende gar nicht Söder aus dem Gebüsch, sondern Laschet, spottete Schafroth. «Der Markus und du, ihr seid, «Ziemlich beste Freunde» gell. Der Maggus ist nur so nett zu dir, weil er denkt, dass du die Bundesjugendspiele im Rollstuhl-NRW eh nicht schaffst.» Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass die Grünen-Chefs Robert Habeck und Annalena Baerbock nicht unter den zugeschalteten Gästen waren.

Abgesehen von Schafroth kann am Ende übrigens Laschet mit Fug und Recht von sich behaupten, eine echte Pointe gesetzt zu haben. Wer höre, wie Söder beim Starkbieranstich an diesem Abend als «Salve pater patriae» angesprochen (Sei gegrüßt, Vater des Vaterlands), verstehe, dass Söder «unbedingt in Bayern bleiben will». Ob Söder in diesem Moment auch gelacht hat, war nicht zu sehen.

Bildquelle:

  • CDU-Chef Armin Laschet: dpa
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