Auch die Nachrichtenagenturen unterwerfen sich dem Gender-Diktat

Mann oder Frau? Das soll bedeutungslos werden beim großen Plan, die Gesellschaft zu verändern.
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von THOMAS PAULWITZ

BERLIN – Jetzt gendert also auch die dpa. Als die Grünen 2015 den Genderstern einführten, war das noch so abseitig, dass sich sogar die „ZDF heute show“ darüber lustig machte. Dies überrascht heute, denn die zeitgeistfreundliche „Satire“-Sendung ist grünen Ideen sonst bekanntlich eher wohlgesinnt. 2021 jedoch machen beim Gendern alle mit, die sich vom großen Strom des Zeitgeistes mittragen lassen wollen. Jüngstes Beispiel sind die deutschsprachigen Nachrichtenagenturen von Rang und Namen: dpa, Reuters, AFP, epd, KNA, SID, sda und APA. Sie gewichten Sprachpolitik höher als neutrale Berichterstattung. Daher haben sie jetzt beschlossen, „diskriminierungssensibler zu schreiben“.

„Die Grünen wollen künftig alles mit einem Gender-Sternchen schreiben. Unter Joschka Fischer*in hätte es das nicht gegeben“, scherzte die „ZDF heute show“ am 19. November 2015. Die Mainzer fügten fragend hinzu: „Heißt es ab sofort ‚Mit Verlaub, Herr/Frau Präsident*in, Sie sind ein*e Arschloch*in‘?“ Solche Witze reisst die „Satire-Sendung“ heute nicht mehr. Denn das ZDF stellt mittlerweile seinen „Moderator*innen und Korrespondent*innen“ frei, wie sie gendern, gerne auch mit Sternchen, geschrieben wie gesprochen. So bleibt den Zuschauern inzwischen das Lachen im Halse stecken, wenn sie Claus Kleber im „heute journal“ mit Genderpause von den „Fernfahrer – innen“ reden hören.

„Alles wird sich gendern, ganz egal, was ihr meint“

Allenthalben etabliert sich in der Öffentlichkeit eine künstliche Gesinnungssprache. Mit ihrer Genderpolitik setzen sich die öffentlich-rechtlichen Sender gegen die überwältigende Mehrheit der Gebührenzahler durch. Die zugrundeliegende Haltung, an der jegliche Kritik abperlt, demonstrieren die ARD-Kollegen. Sie schicken Carolin Kebekus als „Lady Gender Gaga“ vor, um für ihre Sprachpolitik zu werben. „Alles wird sich gendern, ganz egal, was ihr meint“ heißt es in ihrem ARD-Propagandalied.

Für die linken Ideologen ist es ein großer Sieg, dass sich nun auch die Nachrichtenagenturen dem Genderdiktat unterwerfen. Denn welche Redaktion hat schon die Zeit, sich die Mühe zu machen, verhunzte Agenturmeldungen wieder in normales Deutsch zurückzuübersetzen?

Zwar wollen die Nachrichtenagenturen zunächst noch auf Gendersterne verzichten: Noch sei nämlich unklar, „ob und welches der Sonderzeichen (Genderstern, Unterstrich, Doppelpunkt etc.), die auch nicht-binäre Geschlechtsidentitäten abbilden sollen, sich im allgemeinen Sprachgebrauch durchsetzen wird.“ Die Diskriminierung des generischen Maskulinums ist jedoch beschlossene Sache. Es soll, so wörtlich, „schrittweise zurückgedrängt werden“. Normales Deutsch wird in dieser Wortwahl wie ein schädliches Virus behandelt, das es zu bekämpfen gilt.

Wie die Agenturen das generische Maskulinum zurückdrängen

Mit welchen Vorgaben sollen die Mitarbeiter der Nachrichtenagenturen geimpft werden? Die „Beispiele für diskriminierungssensible Formulierungen“, welche die dpa nennt, zeigen vor allem eines: Die Sprache soll unpersönlicher werden: Verantwortlichkeiten werden verschleiert oder gar nicht mehr genannt – eine Bankrotterklärung des seriösen Agenturjournalismus, der doch Ross und Reiter nennen sollte. Oder, geschlechtersensibel umformuliert, Stute, Hengst und Reitende, denn der „Reiter“ gilt der dpa als generisches Maskulinum ja als diskriminierend.

Es soll laut dpa also künftig von „Kräften“ wimmeln: von Pflege-, Fach-, Lehrkräften und so weiter. Es gilt erklärtermaßen „Sache statt Person“: Die Redaktion ersetzt den Redakteur, die Teilnahmeliste die Teilnehmerliste, die Direktion den Direktor. Statt von „allen Nutzern“ ist die Rede von „allen, die nutzen“. Man schreibe „herausgegeben von“ statt „Herausgeber“ und „ärztlicher Rat“ statt „Rat des Arztes“, so lauten die neuen Sprachregeln. Auf diese Weise verschwindet aus ideologischen Gründen der handelnde Mensch aus der Sprache. Diese verliert an Lebendigkeit. Wo Menschen dann doch noch genannt werden, dann treten sie nach dem Arche-Noah-Prinzip in Paarform auf, zum Beispiel als „Schülerinnen und Schüler“. Denn das biologisch neutrale generische Maskulinum „Schüler“ allein wäre nach dem Verständnis der dpa diskriminierend. Ross und Reiter darf man eben nicht mehr ohne die Reiterin nennen.

Ein Genderkritiker als Sprachwahrer? Nichts für die dpa!

Dass die Nachrichtenagenturen so handeln, verwundert indes nicht. Schon lange ist man in deren Redaktionsstuben der Genderei freundlich zugeneigt. Erinnerlich ist ein Telefonat mit einer dpa-Mitarbeiterin vor einigen Jahren. Zur Leipziger Buchmesse 2016 hatte die „Deutsche Sprachwelt“ wieder die „Sprachwahrer des Jahres 2015“ bekanntgegeben. Auf den ersten Platz hatten die Leser der Sprachzeitung Sebastian Zidek gewählt, der damals Verkehrswesen an der Technischen Universität in Berlin studierte. Der Student hatte sich erfolgreich gegen die Drohung einer Dozentin gewehrt, schlechtere Noten zu geben, wenn er keine „gendersensible Sprache“ verwende. Die Rechtsabteilung der Universität stellte sich damals noch auf die Seite des Studenten.

Die Entscheidung der Sprachwelt-Leser passte der dpa-Mitarbeiterin nicht, wie sie am Telefon zu verstehen gab. Sich gegen das Gendern auszusprechen, sei doch irgendwie „rechts“. Da sei man ja ganz schnell bei solchen Zeitungen wie der „Jungen Freiheit“. Davon müsse man sich doch distanzieren. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte die dpa jedes Jahr über die Wahl der „Sprachwahrer des Jahres“ berichtet – seit der Wahl eines Genderkritikers tut sie das nicht mehr. Wer sich ohne Vorzensur informieren will, ist inzwischen auf die von den Etablierten geschmähten sogenannten alternativen Medien angewiesen. Auch „The GermanZ“ leistet hier einen wichtigen Beitrag. Der Anruf der dpa fiel übrigens in die Zeit, in der die Grünen den Genderstern einführten und noch alle darüber lachten. Bei manchen klingelte es jedoch bereits damals, wohin die Reise gehen würde.

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Bildquelle:

  • Geschlechtslos_Gender: pixabay
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