von DR. PATRICK PETERS
Ende Mai hat die Bundesagentur für Arbeit (BA) die aktuellen Arbeitslosenzahlen bekanntgegeben. Mit einem erstaunlich positiven Ergebnis: Erstmals seit 26 Jahren sind in Deutschland weniger als 2,5 Millionen Arbeitslose registriert. Im Mai wurden 71.000 Arbeitslose weniger registriert als im April und 166.000 weniger als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote verringerte sich damit um 0,2 Prozentpunkte auf 5,6 Prozent. In keinem anderen Land in Europa gibt es anteilig weniger Arbeitslose.
Das ist das Ergebnis der guten ökonomischen Rahmenbedingungen in Deutschland. Die Wirtschaft brummt, Handwerk, Dienstleistungen etc. verzeichnen volle Auftragsbücher, viele Fachbetriebe sind zig Monate im Voraus ausgebucht. Die Gleichung ist einfach: gut laufende Wirtschaft, gute Lage am Arbeitsmarkt – wer viel zu tun hat, braucht Mitarbeiter, um alle Aufgaben zu bewältigen. Das heißt: Aktuell geht es Deutschland – bei allen politisch-gesellschaftlichen Schwierigkeiten – so gut, dass die allermeisten von Wirtschaft und Arbeitsmarkt profitieren. Das war nicht immer so: Zwischen 1997 und 2005 lag die Arbeitslosenquote zwischen 9,4 und 11,7 Prozent – also bisweilen doppelt so hoch!
Jetzt sollten wir uns aber nicht zurücklehnen und auf den Erfolgen ausruhen. Denn wo viel Licht, ist immer auch Schatten. So auch bei den aktuellen Zahlen. Denn die Verbesserungen beziehen sich weitgehend auf besser Ausgebildete, die typischerweise weniger Schwierigkeiten haben, Stellen zu finden, als diejenigen, die weniger gut qualifiziert sind. Über die Hälfte der Langzeitarbeitslosen hat keine abgeschlossene Berufsausbildung, heißt es bei der BA. Aber nur 17 Prozent aller angebotenen Stellen lägen im Helferbereich und richteten sich damit auch an gering qualifizierte Menschen. Damit stehen Angebot und Nachfrage in diesem Bereich in einem Missverhältnis.
Ebenso sollte sich der Blick auf die Unterbeschäftigung richten, die laut Experten erheblich mehr Aussagekraft besitzt. Darin sind neben Arbeitslosen auch Erwerbslose berücksichtigt, die laut Statistik nicht als arbeitslos gelten, weil sie etwa am Stichtag erkrankt waren, an einer Weiterbildung teilnahmen oder als Ältere über 58 Jahren seit mehr als einem Jahr kein Jobangebot mehr erhalten hatten. Diese Zahl lag im Mai mit 3,526 Millionen rund eine Million über der Arbeitslosenzahl und war wesentlich weniger stark gesunken. Laut der Bundesagentur für Arbeit liegt dies darin begründet, dass deutlich mehr Flüchtlinge einen Platz in einer Fördermaßnahme erhalten hätten.
Es ist also weiterhin einiges zu tun in Deutschland. Nur weil die Zahlen jetzt gut sind, heißt dies nicht, dass sie es auch lange gut bleiben. Gerade die Politik darf sich keinesfalls ausruhen, und auch die Unternehmen sollten zusehen, ihre Strukturen zu stabilisieren, um sich von einer Delle weniger hart treffen zu lassen. Dazu gehört vorsichtiges Haushalten genauso wie gezielte Zukunftsinvestitionen, um auf Dauer wettbewerbsfähig zu bleiben.
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