Antiheld und tragische Figur: Vor 20 Jahren starb der wunderbare Jack Lemmon

Tony Curtis und Jack Lemmon (r.) in ihren Welterfolg "Manche mögen's heiß".
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von SUZANNE WENZEL

LOS ANGELES – „It’s magic time!“. Mit diesem Ausruf begann der amerikanische Schauspieler Jack Lemmon jeden seiner Drehtage. Und es war tatsächlich immer irgendwie „Magic Time“, wenn der Mann mit den traurigen Augen uns für zwei Stunden auf der Leinwand aus dem Alltag herausholte.

Schon seine Geburt am 8. Februar 1925 in Boston war mehr oder weniger filmreif. Denn seine Mutter schaffte es nicht mehr in den Kreißsaal und brachte John Uhler Lemmon III., so sein voller Name, im Lift des Krankenhauses zur Welt. Nach Marinedienst und Harvard-Studium ging Jack 1947 gegen den Willen seiner Eltern nach New York, wo er nach kleineren Rollen in der gerade aufkommenden Fernsehunterhaltung schließlich 1954 in dem Film „Die unglaubliche Geschichte der Gladys Glover“ unter der Regie von George Cukor sein Leinwanddebüt hatte. Den endgültigen Durchbruch bescherte ihm allerdings 1958 seine Rolle als Musiker Jerry in „Manche mögen’s heiß“ mit Tony Curtis und Marilyn Monroe unter der Regie von Billy Wilder.

Lemmon und Curtis verkörpern darin die beiden Musiker Jerry und Joe, die im Februar 1929 unfreiwillig Zeugen des Valentinstag-Massakers in Chicago werden und als Daphne und Josephine in Frauenkleidern mit einer Damen-Kapelle vor der Mafia nach Florida flüchten. In den folgenden Jahren wurde Lemmon zu Billy Wilders bevorzugtem Hauptdarsteller. Wilder sagte über ihn „Happiness is working with Jack Lemmon“. Als wahrer Glücksfall entpuppte sich die Zusammenkunft mit Walter Matthau, mit dem Lemmon 1965 für Wilders Film „Der Glückspilz“ vor der Kamera stand. Zwischen beiden entwickelte sich eine lebenslange Freundschaft und bis zu Matthaus Tod im Jahr 2000 traten sie gemeinsam in elf Produktionen auf, mit denen sie sich eine beachtliche Fangemeinde schufen.

Dabei ist ihr herausragendster Film wohl Neil Simons „Ein seltsames Paar“ (1968, Regie Gene Saks), in dem der Nachrichtensprecher Felix Ungar (Lemmon) von seiner Frau vor die Tür gesetzt wird und Unterschlupf bei seinem Kollegen und Poker-Freund, dem etwas angeschmuddelten und schlampigen Sportreporter Oscar Madison (Matthau) findet. Der pedantische und hypochondrische Felix treibt Oscar wiederholt beinahe in den Wahnsinn mit seinen Marotten, zu denen unter anderem ein geradezu aufsehenerregendes Geräusch gehört, mit dem Felix regelmäßig den Druck in seiner eustachischen Röhre ausgleicht ungeachtet der Uhrzeit oder des Ortes, an dem er sich gerade befindet.

Lemmon stellte aber auch wiederholt sein Können in tragischen und ernsten Rollen beeindruckend unter Beweis. Etwa in Costa-Gavras‘ „Missing“, in dem er als Ed Horman gemeinsam mit seiner von Sissy Spacek dargestellten Schwiegertochter seinen in den Wirren des Chile-Putsches 1973 verschwundenen Sohn sucht. In Blake Edwards 1962 gedrehtem Drama „Die Tage des Weines und der Rosen“ spielt er den Werbefachmann Joe Clay, der allmählich zum Alkoholiker wird und seine Frau dabei mit in den Abgrund reißt. Für den Film wurde er als bester männlicher Hauptdarsteller für den Oscar nominiert. Aber auch eine seiner letzten Rollen als „Geschworener Nummer 8“ in der Neuverfilmung von „Die 12 Geschworenen“ 1997 oder die Rolle des todkranken Professors Morrie Schwartz in „Dienstags bei Morrie“, die ihm seinen letzten Emmy Award einbrachte, sind hier zu nennen.

Er war der Antiheld, oft eine tragische Figur, der mit den alltäglichen Problemen zu kämpfen hatte und jedesmal beinahe daran scheiterte, wie in „Das Nervenbündel“ (1974, Regie Billy Wilder). Am Ende bekam er die Mädchen meistens trotzdem, etwa Shirley McLaine in „Das Appartement“ (1960) oder die immer noch attraktive Ann-Margret in dem 1993 gedrehten Film „Ein verrücktes Paar“, eine der letzten Komödien mit Walter Matthau.

Lemmon war der erste Schauspieler, der sowohl einen Oscar für die beste männliche Nebenrolle (1956 für „Keine Zeit für Heldentum“) als auch für die beste männliche Hauptrolle (1974 für „Save The Tiger“) erhielt. Neben seinem Beruf hatte er zwei weitere große Leidenschaften: Musik und Golf. Er nahm zwei hörenswerte Alben auf mit teilweise selbst komponierten Stücken und Jazz Standards. Und nahezu kein Charity-Golfturnier fand ohne ihn statt. Seine letzte Rolle hatte er im Jahr 2000 denn auch bezeichnenderweise als alternder Caddy in dem Golfdrama „Die Legende von Bagger Vance“.

Jack Lemmon starb am 27. Juni 2001 in Los Angeles an den Folgen einer Krebserkrankung. Sein Grab liegt direkt neben dem seines Freundes Walter Matthau, der fast auf den Tag genau ein Jahr zuvor, am 1. Juli 2000, verstorben war. Lemmons schlichter Grabstein trägt die Aufschrift „Jack Lemmon – in“.

Bildquelle:

  • Jack_Lemmon_Tony_Curtis: screenshot
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