Andere Wege in der Pandemie: In Florida haben Schulen, Läden und Restaurants geöffnet wie immer

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von KLAUS KELLE

MIAMI – Der US-Bundesstaat Florida, der sich zurecht stolz “Sunshine State” nennt, hat in der Corona-Krise vieles anders gemacht als große Teile der USA. Und er hat, wie es jetzt aussieht, Erfolg damit.

Doch zunächst zur Lage in den Vereinigten Staaten insgesamt. Im Januar registrierten die USA am Tag mehr als 300.000 Neuinfizierte, seitdem sinken die Zahlen überall im Land. Das Magazin FOCUS berichtet heute, dass vorgestern 69.586 neu Infizierte gemeldet wurden. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt aktuell bei 124, Deutschland hat gerade 119 – kein wirklicher Unterschied also.

Das hat natürlich verschiedende Gründe. Die USA haben nach einem zögerlichen Beginn vergangenes Jahr, der in Teilen – New York – suboptimal war und viele Menschen das Leben gekostet hat, den Kampf gegen Covid-19 aufgenommen und zwar in einer Konsequenz, wie man sie früher uns Deutschen nachgesagt hat. Der von Mainstreammedien geschmähte Ex-Präsident Donald Trump hat nämlich, nachdem er begriffen hatte, wie gefährlich die Pandemie auch für sein Land werden wird, wenn er nicht konsequent handelt, genau das getan. Impfstoff entwickelt, Impfstrukturen geschaffen und los gings. Heute sind mehr als 100 Millionen Impfungen bereits erfolgt, der amtierende Präsident Joe Biden verspricht: Bis Ende Mai ist die Bevölkerung komplett durchgeimpft.

Und damit kommen wir zurück zu Florida, einem wirklich herrlichen  Stückchen Erde, wo viele Rentner ihren Ruhestand verbringen, unter Palmen und mit nur einer einzigen Sorge: Gehen wir zu “Hooter’s” auf ein paar Chicken Wings oder feuern wir den Grill an? Doch weil nicht alles Schwarz und Weiß ist, darf auch die andere Seite nicht verschwiegen werden. Vergangene Woche kam es in der Partymetropole (“We’re going to…”) Miami sogar zu Ausschreitungen, als Tausende Studenten aus allen Bundesstaaten zum alljährlichen sogenannten Spring Break anreisten und ausgelassen Party feierten.

Es waren sogar mehr Teilnehmer als üblicherweise um diese Jahreszeiten, keinerlei Regeln wurden bevolgt, irgendwann rückte dann die Polizei an, eine Ausgangssperre um 20 Uhr wurde angeordnet und mit Pfeffersprayeinsatz und mehr als 1.000 Festnahmen durchgesetzt. Auf CNN sagte Miamis Bürgermeister Dan Gelber: “Wenn ihr hierher kommt, um durchzudrehen, geht woanders hin, wir wollen euch nicht.”

Doch zurück zum Alltag, der in Florida so ganz anders abläuft als in großen Teilen der USA. Hier gibt es keine Maskenpflicht und keinen Lockdown, keine Abstandsregeln für den Lebensalltag der Menschen, Restaurants und Geschäfte sind geöffnet so wie immer. Die Schulen und – den Begriff benutzen übrigens amerikanische Mütter so wie die deutschen auch als “Kindergoarden” – Kitas sind geöffnet. Florida verzeichnet aktuell eine Arbeitslosigkeit von 4,8 Prozent. Was ich sagen will: Auch in Florida ist Covid-19 für alte und vorerkrankte Menschen extrem gefährlich. Auch hier infizieren sich und sterben Menschen. Insgesamt sind im Sunshine State bis heute 2.027.429 Corona-Infizierte bekannt geworden, davon sind 32.975 AN DEM VIRUS verstorben. Zur Zeit infizieren sich statistisch 51 Menschen täglich. In Florida – mit 22 Millionen Einwohnern.

Wie in Schweden und anderswo auf der Welt auch, stellt sich heraus, dass es offenbar auch einen anderen Weg zur Bekämpfung des Covid-19-Virus und all seiner Mutationen geben kann. Doch während wir in Deutschland und weiten Teilen Europas den harten Weg gewählt haben mit durchaus zweifelhaften “Erfolgen” aber gravierenden Folgen für den gesellschaftlichen Zusammenhalt, die Unternehmen und die Freiheitsrechte der Bürger, sollten wir schauen, was wir von der Strategie derer lernen können, die einen anderen Weg einschlagen, statt ihnen mit deutscher Überheblichkeit und Besserwisserei zu begegnen und sie als Verschwörungstheoretiker und “Querdenker” zu schmähen.

Bildquelle:

  • Miami_Beach_Ocean_Drive: dpa
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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.