Alle reden über Verkürzung von Amtszeiten: Putin verlängert erstmal bis 2036

Der russische Präsident Wladimir Putin stellt sich in einer Fernsehsendung den Fragen seiner Landsleute. Foto: Sergei Savostyanov/Pool Sputnik Kremlin/AP/dpa
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MOSKAU – Russlands Präsident Wladimir Putin will den Zeitpunkt seiner Machtübergabe selbst bestimmen und dann auch einen Nachfolger empfehlen.

In einer Live-Sendung im Staatsfernsehen sagte der 68-Jährige, der vor mehr als 20 Jahren erstmals gewählt wurde, am Mittwoch: «Natürlich kommt die Zeit. Und ich hoffe, dass ich sagen kann, dass dieser oder jener Mensch meiner Meinung nach würdig ist, solch ein wunderbares Land wie unsere Heimat Russland zu führen.» Er sehe als seine Verantwortung, eine Empfehlung zu geben. Das laufe so in jedem Land der Welt.

Zugleich wies der Kremlchef in der «Bürgersprechstunde» die Aussage eines Zuschauers zurück, dass ihm die Macht von Vorgänger Boris Jelzin in die Hand gelegt worden sei. «Jelzin hat mir die Macht nicht übergeben», sagte Putin. Er sei nach dessen Rücktritt in der Nacht zum 1. Januar 2000 lediglich Interimspräsident gewesen und danach zum Staatsoberhaupt gewählt worden. Das hätten die Bürger Russlands so entschieden.

Putin sagte, es seien damals nicht viele bereit gewesen, Verantwortung zu übernehmen. Kritiker werfen ihm immer wieder vor, als damaliger Regierungschef Jelzins Schwäche ausgenutzt zu haben. Zusammen mit Freunden aus der gemeinsamen Zeit in der St. Petersburger Stadtverwaltung habe er die Macht ergriffen.

Der Kremlchef hatte im vergangenen Jahr durch eine Verfassungsänderung den Weg freigemacht, dass er bis 2036 regieren kann. Voraussetzung wäre, dass Putin zu den Wahlen 2024 und 2030 wieder antritt und gewählt wird. Ursprünglich erlaubte die Verfassung nur zwei Amtszeiten hintereinander.

Bildquelle:

  • Wladimir Putin: dpa
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