Aktionstag am 22. Oktober: Deutsche Landwirte gehen auf die Straße

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von PHILIPP FELS

BONN – „Klappern gehört zum Handwerk“, so heißt es bis heute, wenn jemand in eigener Sache unterwegs ist. Derzeit machen Landwirte – von den Gemüsebauern über die Tierzüchter, Getreidefarmer, Obstbauern, bis hin zu Winzern und Gärtnern – mobil. Allerdings zeichnet sich ab, dass das kein „Klappern“ sein wird. Da braut sich ein riesiges Donnerwetter zusammen: Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (DU) und Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) sollten sich warm anziehen, denn am 22. Oktober könnte etwas in einer bisher kaum erreichten Dimension auf sie zurollen. Bundesweit wird man sich auf Bauernaktionen einstellen müssen. Die zentrale Kundgebung findet in Bonn um 11 Uhr auf dem Münsterplatz statt.

Ermutigt von der großen Resonanz einer Demonstration niederländischer Bauern, haben auch deutsche Landwirte entschieden, dass sie nicht länger nur die Faust in der Tasche ballen und die Zähne aufeinanderbeissen wollen. Sie gehen für Ihre Anliegen auf die Straße. Eines unterscheidet die deutschen von den Kollegen westlich der Grenzen: Sie legen Wert darauf, dass sie jegliche Randale, jeglichen Furor, jegliche Krawalle ablehnen. Sie wollen nicht, dass Strohballen brennen oder Gülle auf die Straßen gekippt wird. Sie wollen gemeinsam „laut sein“, damit Ihre Nöte von der Politik endlich gehört und ernst genommen werden. Und sie wollen erreichen, dass die beiden Ministerinnen nicht mehr nur über „die Bauern“ reden. Sie wollen erreichen, dass die Politik nicht nur mit fachfremden Natur- oder auch Umweltverbänden über die Köpfe der Bauern hinweg Vorschriften und Verbote auskungelt. Und so  rufen sie die beiden Ministerinnen der Regierung Merkel an den Tisch, damit diese endlich mit den Betroffenen ihrer Politik reden.

Innerhalb von nur zehn Tagen ist es dem dem Organisationsteam gelungen, alleine auf facebook inzwischen mehr als 11.500 Menschen unter dem Label „Land schafft Verbindung“ in einer Gruppe zur gemeinsamen Aktion zusammenzurufen. In unzähligen Whats-App-Gruppen und auf Telegramm organisieren und vernetzen sich weitere Engagierte, die nicht zur zentralen Kundgebung in Bonn kommen können. Sie wollen eigene Aktionen in der Fläche anbieten und beispielsweise in den großen Städten Deutschlands kleinere Kundgebungen veranstalten. Eine etwas freie Hochrechnung hat ergeben, dass inzwischen bundesweit mehr als 75.000 Menschen – darunter auch Nichtlandwirte – entweder an der Vorbereitung des 22. Oktober mitmachen oder zumindest ihre Bereitschaft zur Teilnahme an den Kundgebungen signalisiert haben.

Die erstaunliche Dynamik dieser Bewegung von der Basis des Berufsstandes hat auch die Landwirtschaftsorganisationen und -verbände erreicht: Viele haben erkannt, dass da eine unterstützenswerte Initiative „anrollt“. Viele haben ihre Unterstützung zugesagt und erkennen offenbar, dass es an dieser Stelle sinnvoll ist, im Hintergrund zu bleiben, um der Öffentlichkeit, den Medien und der Politik klar zu signalisieren: Das geht von den Menschen aus, die unmittelbar von den Maßnahmen der Politik in ihrer ökonomischen Existenz bedroht sind. Hier bangen Mütter und Väter um Haus, Hof und Familieneinkommen. Hier sind Arbeitsplätze bedroht. Hier werden wertschöpfende Unternehmen in den Ruin getrieben.

Die Dimensionen dieser, nach Ansicht der Landwirte ruinösen Politik werden inzwischen auch von  Unternehmen erkannt, die mittelbar oder unmittelbar mit der Landwirtschaft zusammenarbeiten oder von ihr abhängig sind. Einige Landmaschinenverleiher, Lohn- und Fuhrunternehmer haben ihr Kommen oder Ihre Beteiligung an regionalen Aktionen bereits zugesagt. Darüber hinaus soll es Überlegungen seitens einiger Landmaschinenhersteller geben, sich in die Kundgebungen einzureihen. Denn sie alle hängen auf Gedeih und Verderb an einer funktionierenden Landwirtschaft. Hier scheint sich die Hoffnung des Organisationsteams zu erfüllen, dass die Menschen erkennen: „Gemeinsam sind wir stark“.

So kann der 22. Oktober 2019 ein spannender und ereignisreicher Tag für ganz Deutschland und ein Weckruf ins Berliner Regierungsviertel werden, das Wohlergehen der einfachen Menschen und Leistungserbringer wieder mehr in den Vordergrund des politischen Handelns zu rücken.

Bildquelle:

  • Bauern_Ernte: pixabayy
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