Abtreibungsmittel Cytotec darf in Deutschland nicht mehr verkauft werden

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Gastbeitrag von CORNELIA KAMINSKI
Vorsitzende Aktion Lebensrecht für Alle e. V. (ALfA)

BERLIN – Bilder und Informationen zu vollen Intensivstationen beherrschen derzeit die Nachrichten in Deutschland, aber tatsächlich hat die Coronapandemie paradoxerweise zu einem Rückgang der Arztbesuche und Krankenhausaufenthalte geführt. Aus Angst vor Ansteckung bleiben Menschen auch mit ernsten Erkrankungen lieber zu Hause. Diese Entwicklung hatten auch Auswirkungen auf ungewollt Schwangere. Schon sehr früh während des ersten Lockdowns gab es Bestrebungen, den Zugang zu Abtreibungen zu erleichtern – hierzu zählte beispielsweise die Abschaffung der Präsenzpflicht bei der Beratung, die bis heute gilt.

Wesentlich fataler ist, dass nun Do-It-Yourself Abtreibung zu Hause mit chemischen Präparaten wie Mifepriston und Misoprostol, die unter den Handelsnamen Mifegyne und Cytotec erhältlich sind, ermöglicht werden.

Normalerweise sind dafür vier Arztbesuche erforderlich: Beim ersten Besuch erfolgt die sonographische und rechnerische Festlegung des Schwangerschaftsalters, bei der sichergestellt wird, dass eine chemische Abtreibung überhaupt möglich ist – in Deutschland bis zur neunten Schwangerschaftswoche –, dass keine Kontraindikationen vorliegen und dass keine Eileiterschwangerschaft besteht. Nicht mit Mifepriston abtreiben sollten zum Beispiel Frauen mit Asthma, Unterernährung oder Herzproblemen, Raucherinnen, Frauen mit eingesetzter Spirale oder deren Rhesus-Faktor negativ ist. Insbesondere bei Vorliegen einer Eileiterschwangerschaft könnte ein Abtreibungsversuch mit Mifegyne fatale Folgen wie eine Eileiterruptur haben.

Beim zweiten Arzt- oder Klinikbesuch, frühestens drei Tage nach dem Beratungsgespräch, findet ein ärztliches Aufklärungsgespräch über die Abbruchmethode und den Ausschluss von Gegenanzeigen statt. Bei diesem Besuch wird Mifepriston in Tablettenform und unter ärztlicher Aufsicht eingenommen bzw. mit nach Hause gegeben. Mifepriston ist ein Wirkstoff aus der Gruppe der Progesteron-Rezeptor-Antagonisten, der die Effekte des Schwangerschaftshormons Progesteron aufhebt – ohne dieses Hormon kann die Gebärmutterschleimhaut nicht erhalten bleiben, was zum Tod des Embryos führt. Bei manchen Frauen treten schon am Tag nach der Einnahme Blutungen auf, regelhaft beginnen jedoch die Blutungen, die sieben bis zwölf Tage andauern und stark und schmerzhaft sein können, erst nach Einnahme von Misoprostol, einem Wirkstoff aus der Gruppe der Prostaglandine, das in Deutschland unter dem Handelsnamen Cytotec zur Verfügung gestellt wird. Das Prostaglandin führt zu Kontraktionen der Gebärmutter und einer Entspannung des Muttermunds, was schließlich zum Ausstoßen des Embryos führt.

Sieben bis 14 Tage später erfolgt im Rahmen eines vierten Arztbesuchs eine Nachuntersuchung, bei der sichergestellt wird, dass die Abtreibung regelrecht und vollständig durchgeführt wurde. Abtreibungen mittels chemischer Präparate werden von Fachärzten angeboten, die auch die damit verbundenen Komplikationen beherrschen müssen.

In Missachtung dieser medizinischen Standards bieten Abtreibungsanbieter schon seit geraumer Zeit die Möglichkeit, die Abtreibungspille im Internet zu bestellen und nach Hause liefern zu lassen – auch in Deutschland. Seit kurzem versendet auch das Familienplanungszentrum Balance aus Berlin in Kooperation mit Doctors for Choice die Präparate per Post und bietet eine Videoberatung und telefonische Begleitung an.

Hier wird also ein hochwirksames Präparat ohne persönliche ärztliche Untersuchung versandt – entgegen aller Vorgaben, die die Gesundheit der Frauen garantieren sollen, die mittels Mifegyne und Cytotec abtreiben. Je später eine Abtreibung mittels chemischer Präparate erfolgt, desto höher ist das Risiko, dass Reste zurückbleiben, die sich infizieren und so zu erheblichen Problemen für die Frau führen können. In den USA ist es zwischen 2000 und 2018 zu 4195 Fällen schwerwiegender Komplikationen gekommen – darunter auch 24 Todesfälle. Einer schwedischen Studie von 2018 zufolge hat sich innerhalb drei Jahren die Komplikationsrate bei Abtreibungen vor der 12. Schwangerschaftswoche von 4,2 % auf 8,2 % nahezu verdoppelt, was die Autoren auf die Ausweitung der Heimabtreibungen mit chemischen Präparaten zurückführen.

All dem ist nun erstmal ein Riegel vorgeschoben: in einem Rote-Hand-Brief des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) war schon 2017, dann erneut 2020 vor der Anwendung von Cytotec gewarnt worden. Nun ist die Vergabe des ohnehin in Deutschland seit 2006 nur als Re-Import erhältlichen Präparats Cytotec gestoppt, da das Mittel einfach zu gefährlich ist. Und wer beklagt sich darüber nun in einem offenen Brief an Jens Spahn? Doctors for Choice, Balance, Pro familia – ihnen geht gerade ein Geschäftsmodell flöten. Frauengesundheit ist da zweitrangig.

Bildquelle:

  • Cytotec_Verpackung: thegermanz
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