FRANKFURTER BUCHMESSE: Frankreichs Pavillon braucht Asterix nicht

Der Pavillon des Gastlandes Frankreich auf der Buchmesse in Frankfurt am Main. Foto: Boris Roessler

Stattdessen lernt der Besucher den Comic-Zeichner Riad Sattouf kennen, der im Buch «L’Arabe du futur» («Der Araber von morgen») seine Lebensgeschichte zwischen Libyen, Syrien und Frankreich erzählt.

In seiner großen Comic-Abteilung hat Ehrengast Frankreich bewusst nur Autoren mit jüngeren Arbeiten versammelt. Die sprengen beim Erzählen mit dem Zeichentrick schon längst die Genres. Auch Krimis sind populär in Frankreich, das seit Jahrzehnten eine große Comic-Tradition gerade auch für Erwachsene hat.

Im Pavillon wird der Besucher durch teils haushohe Tragwerke aus Holzleisten durch die französische Literaturlandschaft gelotst. Sieben Kilometer an Leisten haben die Franzosen für den gesamten Parcours benötigt, gefertigt von einer deutschen Firma. Insgesamt wirkt alles hell und freundlich sowie klar strukturiert – die Brasserie darf natürlich auch nicht fehlen.

In den Tragwerken sind 40 000 Bücher untergebracht. «Wir verstehen uns als große Bibliothek», sagt Designer Ruedi Baur, der den Pavillon zusammen mit Studenten der Kunsthochschule in St. Etienne angelegt hat.

Unter dem Motto «Francfort en français» («Frankfurt auf Französisch») werden bis zum Sonntag auf den verschiedenen Lesebühnen fast 200 Autoren erwartet – so viele hat noch nie ein Ehrengast zur Buchmesse geschickt. Darunter ist die gesamte Crème de la Crème. Die Schriftsteller kommen aber auch aus Afrika, Haiti oder Quebec: Frankreich will seinen Sprachraum mit 270 Millionen Menschen präsentieren.

Die frankophonen Westschweizer haben aus Genf eine Replika der hölzernen Gutenberg-Presse geschickt. Dort werden alle Autoren jeweils die erste Seite ihres letzten Buches auf Französisch und Deutsch drucken lassen.

Es wird aber nicht nur gelesen, sondern auch viel gehört. Es gibt eine in Lyon entwickelte digitale Leseinstallation (Livre in Room), die in einer Lesekabine das Eintauchen in Fantasiewelten möglich macht. Andere junge Franzosen haben für Instagram eine Zeichentrickserie mit Musik entwickelt. Frankreich will also zeigen, dass es auch bei den neuen Medien auf der Höhe der Zeit ist.

Ein wichtiges Thema im Pavillon ist auch die Beziehung zwischen dem Französischen und dem Deutschen. Es geht darum, welche Wörter wir aus dem Französischen über die Jahrhundert entlehnt haben. Es geht aber auch darum, was die Sprachen trennt. So stellt die französische Philosophin Barbara Cassin ihr «Dictionary of Untranslatables» – es geht um Wörter, die kaum zu übersetzen sind. Dazu zählt sie das Wort «Schuld(en)» – französisch heißt das «dette(s)».

Aus Cassins Sicht wiegt das Wort Schuld weit schwerer – im Französischen entspreche «dette» eher einer Verpflichtung. Europa wird also beim brisanten Thema Schulden wohl nie mit einer Zunge sprechen. Aber das wusste schon der große Gelehrte Wilhelm von Humboldt (1767-1835). Von ihm ist im Pavillon der Satz zu lesen: «Kein Wort einer Sprache ist in einer anderen Sprache gleich.»

Bildquelle:

  • Buchmesse Frankfurt: dpa

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.