Zwei Jahre und drei Monate Haft: Ist das gerecht für die gemeinschaftliche Vergewaltigung einer 14-Jährigen?

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von MIRIAM THÉRÈSE SOFIN

ULM – Im Fall der mehrfachen Gruppenvergewaltigung eines erst 14-jährigen Mädchens in der Halloween-Nacht 2019 in Illerkirchberg (Alb-Donau-Kreis) durch fünf Asylbewerber hat das
Landgericht Ulm am Montag die Urteile gesprochen. Vier der fünf angeklagten jungen Männer wurden zu milden Haftstrafen ohne Bewährung verurteilt. Der jüngste Täter bekam die Chance auf einen Täter-Opfer-Ausgleich.

So müssen zwei der fünf Angeklagten für je zwei Jahre und drei Monate ins Gefängnis. Das Gericht sprach einen der beiden der Vergewaltigung und gefährlichen Körperverletzung und den anderen der Vergewaltigung in drei Fällen schuldig. Die beiden weiteren Angeklagten wurden zu je zwei Jahren und zwei Monaten Haft verurteilt. Einer wurde der Vergewaltigung und der andere der Beihilfe zur Vergewaltigung sowie der gefährlichen Körperverletzungen schuldig gesprochen. Die vier verurteilten Männer stammen aus dem Irak und Afghanistan. Der letzte und jüngste Angeklagte, der zum Tatzeitpunkt erst 15 Jahre alt war und nicht verurteilt wurde, stammt aus dem Iran.

Das Gericht sah es demnach als erwiesen an, dass die vier schuldig gesprochenen Angeklagten im Alter zwischen 17 und 26 Jahren, welche allesamt als Asylbewerber nach
Deutschland gekommen waren, das minderjährige Mädchen Ende Oktober 2019 zuerst unter Drogen gesetzt und anschließend mehrfach vergewaltigt haben. Sie hatten die 14-Jährige, die zum Zeitpunkt ihres Aufeinandertreffens mit den jungen Männern bereits angetrunken war, zuvor in der Ulmer Innenstadt angesprochen und schließlich dazu überreden können, mit ihnen in eine rund zehn Kilometer entfernte Asylbewerberunterkunft in Illerkirchberg mitzugehen.

Dort angekommen verabreichten die Täter dem Mädchen Betäubungsmittel und vergingen sich mehrfach an ihm. Die Staatsanwaltschaft hatte sich mit der Verteidigung zuletzt auf einen Strafrahmen geeinigt, um den Prozess schneller zu beenden und dem Opfer weitere schmerzliche Aussagen zu ersparen. Der Prozess, der weitestgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand, wurde vor allem durch die Vernehmung des Opfers geprägt, welche sich nach Aussage des Richters als schwierig erwies. Die Angeklagten schwiegen wiederum die meiste Zeit und äußerten sich erst am Ende des Prozesses, wenn auch nur zaghaft.

So sagte der vorsitzende Richter während der Urteilsverkündung: “Es gab Zweifel und es sind auch noch Zweifel vorhanden” und hielt fest, dass sich die ausgesprochenen Strafen “nahezu am untersten Rand des Strafmaßes” bewegen. Was diese zynische Bemerkung am Ende der Verhandlung im Opfer ausgelöst, bzw. angerichtet haben mag, lässt sich nur erahnen. Für Außenstehende mutet sie wie ein Fingerzeig in Richtung der heute Jugendlichen an. Dass sich ein schwer traumatisiertes junges Mädchen, das vor nicht allzu langer Zeit Opfer von massiver sexueller Gewalt wurde, als schwierige Zeugin erweisen würde, war jedoch zu erwarten und rüttelt nicht im Geringsten an dessen Glaubwürdigkeit. Berücksichtigt man dann auch noch den Umstand, dass das Opfer zum Tatzeitpunkt unter dem Einfluss von Alkohol- und Drogen stand, erklären sich auch ihre, sich eventuell widersprechenden Aussagen. Seltsam wäre es eher gewesen, hätte das Opfer eine akkurate und lückenlose Beschreibung des Tathergangs schildern können.

Mancher Leser mag sich fragen, warum die damals 14-Jährige überhaupt mit den ihr völlig unbekannten und größtenteils erheblich älteren Männern mitgegangen ist. Nun, zum einen war das Mädchen alkoholisiert, vermutlich in Feierlaune, vielleicht sogar verkleidet – immerhin geschah die Tat an Halloween. Zum anderen war sie eben ein naiver Teenager, und diese sind bekanntlich nicht sonderlich vernünftig. Außerdem leben wir in einer Gesellschaft, in der den Kindern schon mit der Muttermilch eingeimpft wird, “bloß nicht rassistisch” zu sein und allen Menschen, egal welcher Herkunft, möglichst aufgeschlossen und vorurteilsfrei zu begegnen. Eine Teilverantwortung für Verbrechen, wie es dem armen Mädchen leider in jener Nacht widerfuhr, trägt daher durchaus auch unsere Gesellschaft, tragen die Medien, die Schulen und ja, auch das Elternhaus. Denn wie viele Eltern trauen sich
heutzutage denn noch, ihren Kindern eine gesunde Skepsis – insbesondere gegenüber Männern aus fremden Kulturen – anzuerziehen? Leider sind es die Wenigsten, denn der Nazivorwurf schwebt seit der Flüchtlingskrise 2015 präsenter, denn je, wie ein unsichtbares Damoklesschwert über uns allen, die wir keinen Migrationshintergrund haben.

Was bleibt, sind vier viel zu milde Verurteilungen fünf “Schutzsuchender”, die Deutschland vermutlich nie wieder verlassen müssen. Und was bleibt, ist eine  für ihr Leben gezeichnete junge Frau, die womöglich das Gefühl einer Mitschuld und die damit verbundene Scham für den Rest ihres Lebens mit sich herumtragen wird. Und es bleibt ein Richter in Erinnerung, der allen Ernstes urteilte “es bleiben Zweifel” und dem Opfer damit einen weiteren Schlag in die Magengrube versetzt. Denn wer würde ernsthaft annehmen, eine 14-Jährige hätte sich dem stundenlangen Martyrium freiwillig unterzogen.

 

 

Bildquelle:

  • Trauer_Mädchen_verzweifelt: pixabay
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