2000 beim Symposion über Sexualpädagogik und Kindesmissbrauch

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von MARTIN D. WIND

BERLIN – „Missbrauch!“ So klar, deutlich und präzise benennt Adelheid Kastner, forensische Fachärztin für Psychiatrie und Neurologie in Linz, eine „emanzipatorische Sexualpädagogik“, die auf den Fundamenten der Lehren Helmut Kentlers beruhen. Problematisch an dieser glasklaren Aussage ist, dass beinahe jegliches „sexualpädagogische“ Material, das in Deutschland, bzw. im deutschsprachigen Raum gegenüber Kindern zum Einsatz kommt, von Menschen erarbeitet wird, die noch immer der „Denkschule“ Kentlers verbunden sind oder deren eigene „Lehre“ zumindest auf dessen „Werk“ basieren. Diese offensichtliche Problematik – Kentler wurde in den vergangenen fünf Jahren als einer der größten Förderer des sexuellen Missbrauchs von Kindern enttarnt – scheint jedoch in einer breiten Öffentlichkeit entweder wenig bekannt oder in seiner gefährlichen Dimension nicht erkannt.

Es gibt aber Menschen, die den Vorhang des Verbergens lüften und das Cartell des (Ver)Schweigens aufbrechen: „Das Aktionsbündnis für Ehe & Familie – Demo für alle“ und „CitizenGO“ unterrichteten allgemein zugänglich und deutlich, offen über „Heikle Beziehungen: Sexualpädagogik und Kindesmissbrauch“. Mehr als 2000 Menschen folgten am 17. April live dem Online-Symposium unter der Moderation von Hedwig von Beverfoerde von „Demo für alle“, in dessen Verlauf Adelheid Kastner zu ihrer deutlichen Beurteilung der „modernen“ Sexualpädagogik kam – in diesem Fall konkret mit Bezug auf die Praxisanleitungen aus einem Buch von Elisabeth Tuider.

Um aufzuzeigen, wie absurd es sei, dass man Kindern detailliert und anschaulich Geschlechtsorgane präsentiert, Sexualpraktiken darstellt oder sie mit “Sex-Spielzeug“ hantieren lässt wird Kastner noch deutlicher: „Es ist völlig inadäquat, wie wir dann hergehen und sagen, wir sollen in der Schule üben, wie man Menschen totschlagen, damit ihr wisst, dass man es nicht tun darf. Um es auf andere Bereiche dann der sozialen Grenzziehung umdenkt, dann wird evident, wie hanebüchen das ist.“

Adelheid Kastner steht mit Ihrer Beurteilung nicht allein. Tabea Freitag, Psychotherapeutin aus der Nähe von Hannover, sieht die frühe Sexualisierung der Kinder und Jugendlichen als problematisch und zeigt ungesunde Entwicklungen auf: „Die Pornografisierung ist ja nicht vom Himmel gefallen, sondern vielmehr das Ergebnis einer gezielten Verharmlosung durch sexpositive Programme.“ In ihren weiteren Ausführungen kommt sie unmissverständlich zum Punkt: „Für die neoemanzipatorische Sexualerziehung ist Sexualität gleich Lust und eine Energiequelle, die gefördert werden muss. In diesem Sinne propagiert Sexuelle Bildung sogenanntes Erfahrungslernen. Die Anregung und Anleitung zur Sexualität stellen aber den Straftatbestand des sexuellen Missbrauchs dar.“
Doch wie konnte es so weit kommen, dass offenbar die gesamte, sich „modern“ dünkende – sprich: „emanzipatorische“ – Sexualpädagogik“ in ihrer Anwendung und im Ergebnis immer als „Missbrauch“ eingeordnet werden kann? Darüber gewährte Frau Professor Dr. Karla Etschenberg, Sexualwissenschaftlerin und Pädagogin, erschreckende Einblicke: „Indem Kinder über das vielfältige Sexualleben von Erwachsenen informiert und von klein auf an Sexualität und sexuelle Handlungen gewöhnt werden, verlieren die Merkmale für sexuellen Missbrauch an Kindern systematisch ihre Anwendbarkeit auf Situationen, die ursprünglich als sexueller Missbrauch verurteilt wurden und (noch) werden.“

Das heißt, dass die Grundlagen dieser „fortschrittlichen und aufgeklärten“ Pädagogik zwingend dazu führen, Kinder so in dieser Thematik zu „unterrichten“ und diese als beinahe alltägliche Normalität zu präsentieren, dass den Kindern das natürliche Desinteresse, das altersgemäße Nichtbefassen und die naturgemäße Zurückweisung übergriffiger Annäherung systematisch abtrainiert wird. Sie werden dazu dressiert, erwachsenes Sexualverhalten zu tolerieren, ja sogar deren Praxis an sich selbst zu akzeptieren: Denn „Sex“ ist ja schließlich „normal“ und immer etwas Gutes.
Wie diese „Pädagogik“ sich im Schulalltag auf Kinder auswirkt, schilderte Leni Kesselstatt von der Familienallianz Österreich. Sie schilderte die Erfahrungen von Eltern, deren Kinder in Grundschulen schamverletzenden Inhalten der „emanzipatorischen Sexualpädagogik“ ausgesetzt sind und stellte als Alternative ihr kindgerechtes Aufklärungsmaterial „Wunderkunde“ vor.
Zwar sehr langsam aber dennoch scheinen sich die Erkenntnisse über den Missbrauchsvorschub auch in den Kreisen herumzusprechen und durchzusickern, die diese „sexuelle Revolution“ angestoßen und die Stange gehalten hatten: Publizist und Alt-68 Albert Sellner resümierte in seinem Eingangsstatement: „Der dunkelste Aspekt der ‚Befreiung‘ war die Enttabuisierung der Erotik von Kindern und Jugendlichen, dies nicht im Sinne einer Überwindung von Prüderie, Verklemmtheit und Unaufgeklärtheit, sondern in affirmativer Beschäftigung mit dem Thema sexueller Beziehungen zwischen Erwachsenen und Minderjährigen.“

Aber es schimmert ein Licht am Horizont dieser finsteren Zeit. Gilla Frank von „Wertvollwachsen“ und Phil Poeschl von „Safersurfing“ konnten in ihren Fachvorträgen eindrucksvoll darstellen, wie kind- und jugendgerecht aufgeklärt werden kann. Und wie man verhindern kann, dass Kinder und Jugendliche – zumindest außerhalb „pädagogisch wertvoller Betreuung“ – vor schamverletzenden und pornographischen Inhalten zu schützen sind.

Das Symposium ist in voller Länge und thematischer Breite über die Homepage von „Demo für alle“ hier aufzurufen.

Bildquelle:

  • Hedwig_von_Beverfoerde: demo fuer alle
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