20.000 Franzosen protestieren gegen Urteil um den Mord an der Jüdin Sarah Halimi

Anzeige

von MIRIAM THÉRÈSE SOFIN

PARIS – Über 20.000 Menschen haben am Sonntag in Frankreich in der Nähe des Eiffelturms gegen die Entscheidung eines Gerichts protestiert, die Tötung einer jüdischen Frau nicht juristisch zu verfolgen. Auch in Israel hatten sich Hunderte Menschen vor der französischen Botschaft in Tel Aviv versammelt, darunter mehrere Parlamentsabgeordnete.

Vor vier Jahren wurde die 65-jährige Pariser Jüdin Sarah Halimi von ihrem muslimischen Nachbarn in ihrer eigenen Wohnung getötet. Die Fälle Sarah Halimi und die ein Jahr später von einem Muslim ermordete Mireille Knoll sind einander sehr ähnlich. Bei Sarah Halimi lehnte es das Gericht jedoch ab, den islamisch motivierten Antisemitismus als Tatmotiv anzuerkennen. Der Täter wurde bis heute nicht juristisch belangt. Bei der rund ein Jahr später ermordeten Mireille Knoll war man dann wesentlich sensibilisierter.

Was genau war passiert?

Die pensionierte Ärztin und dreifache Mutter Sarah Halimi wurde am frühen Morgen des 4 April 2017 von ihrem damals 27 Jahre alten muslimischen Nachbarn, Kobili Traoré, überfallen. Nachdem Traoré zuvor in seiner Wohnung hörbar gebetet und den Koran rezitiert hatte, verschaffte er sich Zugang zu Sarah Halimis Wohnung, indem er über mehrere Balkone kletterte. Dort angekommen prügelte er dann brutalst auf die schlafende Frau ein. Er misshandelte sie dabei so schwer, dass sie dem Gerichtsmediziner nach mindestens das Bewusstsein verlor, oder möglichweise bereits in ihrer Wohnung totgeschlagen wurde. Während seiner Prügelattacken brüllte Traoré unentwegt “Allahu Akbar” und dass er “den Schaitan (z. Dt.: Teufel) besiegt” habe. Am Ende warf er den regungslosen Körper der älteren Dame von ihrem Balkon. Ob sie zu diesem Zeitpunkt noch gelebt hat, ließ sich nicht mehr feststellen – spätestens danach war sie aber tot.

Traoré war regelmäßiger Besucher einer radikalen Moschee, die er zuletzt am Vortag des Verbrechens besucht hatte. Seit er mit seiner Familie in den Sozialbau, in dem auch Sarah Halimi wohnte, gezogen war, hatte er auch die Familienmitglieder Halimis bei Besuchen regelmäßig antisemitisch beschimpft, bedroht und sogar körperlich angegriffen. Sarah Halimis Ermordung stellte also den traurigen Höhepunkt mehrerer antisemitischer Attacken dar, während deren Traoré seinen Judenhass ungezügelt auslebte.

Das unfassbare Urteil, das die Franzosen jetzt zu Tausenden auf die Straßen trieb: Kobili Traoré wurde nie strafrechtlich belangt. Das zuständige Gericht stufte ihn am 19. Dezember 2019 als nicht zurechnungsfähig ein und ordnete seine Unterbringung in einer Psychiatrie an. Weder die zahlreichen Bedrohungen und Attacken gegenüber den Halimis, noch die “Allahu Akbar”-Rufe und Koranrezitationen in der Tatnacht konnten den Richter davon überzeugen, dass ein planvoll ausgeführtes und antisemitisch motiviertes Hassverbrechen vorlag. Alleine der Umstand, dass Traoré in besagter Nacht Cannabis konsumiert hatte, genügte, um ihm die Zurechnungsfähigkeit abzusprechen. Auch die Tatsache, dass sein Marihuanakonsum ihn offenbar nicht davon abgehalten hatte, geschickt von Balkon zu Balkon zu klettern und in Sarah Halimis Wohnung einzudringen, überzeugte das Gericht nicht von seiner Schuld. Dieses ging von einer Psychose in Folge des Cannabiskonsums aus.

Die Halimis hatten gegen dieses Urteil geklagt, unterlagen jedoch vergangene Woche vor dem Pariser Kassationshof, der obersten juristischen Instanz Frankreichs. Sarah Halimis Hinterbliebene haben daraufhin angekündigt, vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg zu ziehen, um doch noch Gerechtigkeit für ihre getötete Großmutter, Mutter und Schwester zu erlangen.

Frankreichs Präsident, Emmanuel Macron, hat sich mittlerweile für eine Gesetzesänderung ausgesprochen, nach der Gewalttäter nicht mehr wegen Drogenkonsums für schuldunfähig erklärt werden sollen. Justizminister Éric Dupond-Moretti kündigte am Sonntag einen entsprechenden Gesetzentwurf bis Ende Mai an. Außerdem soll in Paris eine Straße nach Sarah Halimi benannt werden.

Immer wieder erschüttern antisemitische Hassverbrechen die Bevölkerung Frankreichs. Doch woher kommt der Hass vieler Muslime auf Juden eigentlich?

Nun, leider kommt er direkt aus dem Islam. So hat Mohammed während seine Laufbahn als (angeblich) letzter Prophet Gottes gegen mehrere jüdische Stämme Krieg geführt und die arabische Halbinsel “christen- und judenrein” gemacht. Als seine bekannteste Schlacht gilt das Gefecht gegen die Banū Quraiza. Im Jahr 627 soll Mohammed hunderte Juden hingerichtet und ihre Frauen und Kinder in die Sklaverei verkauft haben. Überliefert wurde dieses Ereignisse in der bekanntesten Prophetenbiographie von Ibn Ishāqs sowie in der Hadith-Literatur.

Juden zählen im Islam neben den Christen zu den Ahl al-kitāb (z. Dt.: Leute des Buches). Sie müssen entweder den Islam annehmen, oder aber als Dhimmis (z. Dt. Schutzbefohlene) und Menschen zweiter Klasse unter den Muslimen leben. Verweigern sie beides, müssen sie laut islamischem Recht getötet werden. Die Voraussetzung für die Erteilung des Status als Dhimmi ist die Zahlung der Dschizya (z. Dt. Schutzsteuer), einer zusätzliche Steuer, die nur Juden und Christen auferlegt wird. Im Gegenzug erhalten diese dann das Recht auf körperliche Unversehrtheit, dürfen auf islamischem Gebiet leben und ihre Religion im privaten Raum ausüben. Zwar sind im Koran auch pro-jüdische Aussagen zu finden, jedoch dominieren ganz klar die Verse, in denen sie als Feinde dargestellt, gar zu “Affen und Schweinen” degradiert werden.

Die wohl wichtigsten Überlieferung über Juden befindet sich in Sahīh al-Buchārī, einer Sammlung von als sahi (z. Dt. : authentisch) eingestuften Ahadith (z. Dt.: Erzählungen), die besagt, dass der jüngste Tag nicht kommen wird, “bis sich der Jude hinter Stein und Baum verbirgt, und Stein und Baum dann sagen: ‚Oh Muslim, oh Diener Gottes! Da ist ein Jude hinter mir. Komm und töte ihn‘.” Aus diesem leiten islamische Gelehrte weltweit bis zum heutigen Tag die Vernichtung des jüdischen Volkes als Voraussetzung für die Einleitung des letzten Gerichtes ab.

Nur vor diesem Hintergrund ist zu verstehen, dass so viele Muslime auch heute Juden als minderwertige Menschen und erbitterte Erzfeinde betrachten.

Bildquelle:

  • Sarah_Halimi_Proteste: afp
Anzeige