100 Jahre deutsche Nationalhymne: Einigkeit und Recht und Freiheit

von MICHAEL STING

BERLIN – „Wie einst der Dichter, so lieben wir heute Deutschland über alles. In Erfüllung seiner Sehnsucht soll unter den schwarz-rot-goldenen Fahnen der Sang von Einigkeit und Recht und Freiheit der festliche Ausdruck unserer vaterländischen Gefühle sein“

Mit diesen Worten führte der Reichspräsident Friedrich Ebert ( SPD ) das „Lied der Deutschen“ von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben am 11. August 1922 als deutsche Nationalhymne ein. Dieses Lied ist seitdem unser ständiger Begleiter.Auch wenn es in der deutschen Geschichte einige Veränderungen der Nationalhymne gab.

Im 3. Reich wurde eine Kombination aus dem „Horst-Wessel-Lied“ und dem Deutschlandlied gespielt.

1949 wurde Bundeskanzler Konrad Adenauer bei einem Staatsbesuch in Chicago mit dem Karnevalslied „Heidewitzka Herr Kapitän“ empfangen. Eine Übergangslösung der Amerikaner, da es noch keine deutsche Nationalhymne für die junge Bundesrepublik Deutschland gab.

Im April 1950 forderte Konrad Adenauer im Berliner Titania-Palast das Publikum nach einer Rede auf, mit ihm die dritte Strophe des Deutschlandliedes zu singen. „Einigkeit und Recht und Freiheit“ ertönt, die SPD wettert gegen Adenauers „Handstreich“, der der jungen Bundesrepublik wenig später eine Nationalhymne beschert.

Seit dieser Zeit ist unsere Hymne ein ständiger Begleiter unserer Republik. Egal ob bei Staatsempfängen, bei dem Gelöbnis der Bundeswehr oder großen Sportereignissen wie z.B. der Fußball-WM. Auch wenn es nicht mehr Teil unserer Hymne ist, so verkörpert ein Abschnitt aus der ersten Strophe des Deutschlandliedes etwas, was uns Deutsche ausmacht. “Wenn es stets zu Schutz und Trutze brüderlich zusammenhält.“ Das haben wir mehr als deutlich im Ahrtal gesehen, zu welcher Verbundenheit und Hilfsbereitschaft wir Deutschen bereit sind.

Nicht weniger bedeutsam wird unsere Nationalhymne durch die Worte: Einigkeit, Recht und Freiheit. Das sind die Werte, die unsere Nation groß gemacht haben und die als Vorbild für jeden gelten sollten, der unser Land als seine Heimat betrachtet.

Es wird gerne behauptet, dass unsere Hymne ein veraltetes Relikt ist und abgelöst werden müsste. Der „Welt“-Redakteur Artur Weigandt schlug vor, die deutsche Nationalhymne durch einen modernen „Hit“ zu ersetzen und merkte dazu an: „Wer weiß, vielleicht hätte die deutsche Hymne dann auch einmal vorübergehend ukrainische, türkische oder hebräische Lyrics. Im Gegensatz zu dieser Vision wirkt die „alte“ deutsche Hymne wie Schnee von gestern. Sie ist nicht mehr aktuell.“

Doch gerade darum geht es. Denn was ist diese Hymne? Ein Stück alter deutscher Tradition und ein Bindeglied zwischen unserer Geschichte und unserer Moderne. Es erinnert uns daran, woher wir gekommen sind. Ein Lied, dass uns Deutsche verbunden hat, statt uns in Bürgerkriege zu verwickeln.

In eine Nation, wo wir uns an einer Verfassung orientieren und nicht vom Willen eines einzelnen Fürsten abhängig sind. In eine Nation, die sich einst durch Kultur, Wissen und militärische Stärke hervorhob. Eine Nation, die von anderen Staaten entweder aufgrund ihrer Fähigkeiten bewundert oder gefürchtet wurde. Und wer behauptet, dass unsere Hymne rechts und kriegsverherrlichend ist, der sollte mal einen Blick auf den Inhalt der amerikanischen oder französischen Nationalhymne werfen.

Bei uns stehen Einigkeit, Recht und Freiheit im Vordergrund. Und das ist nichts, wofür man sich schämen müsste. Im Gegenteil. Das sind Werte, auf die man stolz sein kann, wenn man danach lebt.
Wenn wir nun damit beginnen, aus falscher Solidarität auf unsere Nationalhymne zu verzichten, verlieren wir damit unser letztes Stück an deutscher Identität und Tradition. Und ich für meinen Teil möchte nicht darauf verzichten.

Mehr von Michael Sting auf Instagram: michaelsting90

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