Wenn Unternehmer Geld brauchen, nutzen sie zunehmend die „neue Welt“

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von DR. PATRICK PETERS

Früher schien alles so einfach. Wenn ein Unternehmen Geld brauchte, beispielsweise zur Wachstumsfinanzierung, ging der Geschäftsführer zur Bank, sagte, wie viel er brauchte, verhandelte die Konditionen und bekam die Liquidität. Die Kreditvergabe war das tägliche Brot der großen Geschäftsbanken und der öffentlichen Institute, je nach Struktur sogar deren vorgeschriebene Aufgabe.

So einfach ist es heute nicht mehr. Trotz der riesigen Geldschwemme (der EZB sei Dank) berichten gerade Mittelständler über eine Kreditklemme. Vor allem die Vorschriften nach Basel III zur weiteren Bankenregulierung fordern ein immer höheres Risikomanagement der Institute bei der Kreditvergabe und verkomplizieren dadurch die Zusage von Mitteln. Und wenn der Unternehmer dann noch über 50 ist und noch keinen Nachfolger präsentieren kann, wird es de facto so gut wie unmöglich, einen Kredit zu bekommen; und wenn doch, bewegen sich die Kosten jenseits von Gut und Böse.

Was also tun? Immer mehr Unternehmer setzen auf alternative Finanzierungsformen, um den (unangenehmen) Gesprächen mit der Bank aus dem Weg zu gehen. Das folgt einem Trend: Einer Anfang des Jahres veröffentlichten Studie des Bundesverbands Factoring für den Mittelstand (BFM) zufolge wünschen sich 57 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen in Deutschland mehr Unabhängigkeit von der Hausbank. Jeder zweite Entscheider in KMU sieht dabei Vorteile bei modularen Finanzierungslösungen. Dazu gehören beispielsweise Beteiligungen, Factoring und Leasing, um das Unternehmen zu entwickeln. Und auch Instrumente wie Crowd-Finanzierungen, die Auflage eigener Unternehmensanleihen oder auch Mezzanine- und Risikokapital sind laut Branchenexperten auf dem Vormarsch.

Dadurch entstehen größere Spielräume für die Unternehmen. Sie können auswählen, welches Instrument sie wann in Anspruch nehmen wollen. Soll es das Leasing einer neuen Maschine sein oder die Langzeitmiete der Dienstwagen? Sollen Forderungen an ein Factoring-Unternehmen verkauft werden, um schnellstmöglich Liquidität zu erhalten? Oder kann der „Schwarm“ ein spannendes Geschäftsvorhaben finanzieren und ein Finanzinvestor zusätzlich einsteigen und vielleicht auch weiteres Know-how mitbringen? Flexibilität ist Trumpf, kaum jemand legt noch alle Eier in einen Korb.

Das zeigt, wie sich die Wirtschaft in Deutschland laufend verändert – und die Unternehmer mit ihr. Sie gehen mit der Zeit und nehmen die neuen Möglichkeiten gerne an – gerade weil die „alte Welt“ nicht mehr in dem Maße funktionstüchtig ist.

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  • Start_Up: pixabay
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