Warum Schulpflicht besser Schulzwang heißen sollte

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von FELIX HONEKAMP

In der Diskussion um die Schulpflicht geht es früher oder später immer wieder ums Geld: Gäbe es ein freies Schulsystem, so das Argument, dann wäre Bildung über kurz oder lang eine Frage des Geldes. Wer keins hat, könne seine Kinder nicht an eine wirklich gute Schule schicken, für die Kinder hätte der Erfolg oder auch die Vergangenheit der Eltern Konsequenzen, für die sie eigentlich nicht verantwortlich sind. Das ist aber nur die halbe Wahrheit, denn in einem solchen Schulsystem wird die Reputation der Schulen auch an ihren Absolventen gemessen. In vielen Ländern mit einer ausgeprägten Privatschulkultur gibt es darum Stipendienprogramme, die es auch weniger gut betuchten Eltern ermöglichen, ihre Kinder auf „Eliteschulen“ zu schicken.

Das angeführte Argument ist insofern nur eine Nebelkerze, die geworfen wird, um über die Nachteile des deutschen öffentlichen Schulpflichtsystems hinweg zu täuschen. Denn natürlich gibt es auch hierzulande private Ausweichmöglichkeiten für die Reichen und besonders Talentierten. Im Wesentlichen hat sich aber ein staatliches Schulmonopol herausgebildet, dass genau die Nachteile mit sich bringt, die jedes Monopol zeitigt: Korruption und Schlendrian. Das Technik-Magazin Heise berichtet aktuell vom Schultaschenrechnermarkt, den Texas Instrument und Casio unter sich aufteilen – Geräte, verbesserungswürdige Geräte zu überhöhten Preisen. So etwas funktioniert nur in einem monopolisierten Markt, dem die Kunden, in dem Fall also die Eltern von Schulkindern, nicht realistisch ausweichen können. In einem freien Bildungsmarkt wären solche Angebote schnell vom Tisch.

Wo aber die Auswahl von Taschenrechnern nur ein kleines, wenn auch für die Betroffenen nicht ganz billiges Ärgernis darstellt, liegt die tiefere Problematik in den Lehrinhalten. Eltern wollen ihre Kinder auf das spätere Erwachsenenleben vorbereitet wissen, eine bestmögliche Vorbereitung auf Studium oder Ausbildung sicherstellen. Im deutschen Schulsystem ist aber Schulbildung Ländersache, und die Auswahl und Schwerpunktsetzung von Lehrinhalten unterliegt politischen Ränkespielen. Wer also sein Kind zur Schule schickt, muss sich damit abfinden, dass er bei der Auswahl von Lehrinhalten, Schulbüchern oder Lehrern nur sehr begrenztes Mitspracherecht hat. Man könnte meinen, in Sachen Naturwissenschaften oder Sprachen könnte das beinahe egal sein. Ist es aber dann nicht, wenn der Staat nicht nur einen Bildungs- sondern auch noch einen Erziehungsauftrag für sich in Anspruch nimmt. Dann werden in Schulen fächerübergreifend Werte und Einstellungen vermittelt, die denen der Eltern auch entgegenstehen können.

Ein in jüngster Vergangenheit immer wieder aufkommendes Beispiel ist das des Gender Mainstreaming. Vom Kindergarten über die Schule bis hin zu den Universitäten wird dieses Thema in die Bildungsanstalten hineingepresst – und als Eltern hat man keine Ausweichmöglichkeit. In einem freiheitlichen System könnten Eltern darauf Einfluss nehmen: Wer seinen Kindern partout nahebringen möchte, dass es eine unüberschaubare Anzahl von Geschlechtern gäbe, die allesamt als Minderheiten ihre Berücksichtigung finden müssten, wer der Meinung ist, es sei sinnvoll, dass schon die Kleinsten angeleitet werden, ihre geschlechtliche Orientierung in Frage zu stellen und Kompetenzen im Umgang mit Fragen praktischer Sexualität zu erwerben, der sollte das im Rahmen seines elterlichen Erziehungsauftrages tun dürfen. In einem Schulsystem wie dem deutschen haben Eltern aber kaum die Möglichkeit, solcherlei Absurditäten zu umgehen. In einem freien Bildungsmarkt wäre die Etablierung des Gender Mainstreamings eine Frage des Marktes: Dieser Lehrinhalt stünde im Wettbewerb mit verbesserten Lehrmethoden in den Naturwissenschaften oder mehr Lehrkompetenz in den klassischen Geisteswissenschaften oder Sprachen. Man kann sich leicht vorstellen, wohin diese unwissenschaftliche Theorie geraten würde: Zunächst mal in den Mülleimer der Soziologie und dann in Vergessenheit.

 

Bildquelle:

  • Schule_3: pixabay
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