Warum eigentlich muss sich immer nur die CSU bewegen?

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von KLAUS KELLE

Die Kommentare mancher deutscher Zeitungen heute früh über den Verlauf der CSU-Klausur im Kloster Seeon erinnert ein wenig an die Ökumene-Bemühungen der beiden christlichen Großkirchen. Da ist es immer so, dass die eine – evangelische – Seite fordert, die andere – katholische – müsse sich auf sie zubewegen. Macht sie (die katholische) das dann nicht, dann zerstört sie eben die Ökumene. Übersetzt auf die beiden Unionsparteien heißt das: Wenn doch endlich diese starrköpfige CSU mal aufhören würde mit ihrer ständigen Forderung nach einer Obergrenze für Asylbewerber zu nerven, dann könnte man doch so gemütlich, ja geschwisterlich Hand in Hand in den Bundestagswahlkampf ziehen und Angie-Plakate in den Abendhimmel über deutschen Plätzen strecken. Aber weil die CSU auf die Obergrenze nicht verzichten will, ist sie halt Schuld am Zerwürfnis der beiden Unionsparteien.

Man könnte es auch mal von der anderen Seite betrachten: Hätte die Bundeskanzlerin im Herbst 2015 nicht die Irrsinns-Entscheidung getroffen, die Grenzen unseres Landes für hunderttausende Menschen aus dem islamischen Kulturkreis zu öffnen, ohne Bevölkerung oder wenigstens Parlament zu befragen, ohne diese Zuwanderer und Flüchtlinge wenigstens registrieren zu können, dann hätte dieses Land viele Probleme nicht, viel Kriminalität nicht und auch das für die Deutschen neue Phänomen Terrorismus nicht. Und wir wüssten auch nicht, was ein „Nafri“ ist. Warum eigentlich soll nur die CSU den Schwarzen Peter für den von der Schwesterpartei angerichteten Schaden zugewiesen bekommen? Die CDU und ihre Vorsitzende müssten sich auch mal bewegen. Und bei dieser Gelegenheit könnten dann auch die Katholiken von den Evangelischen mal etwas fordern, irgendwas… Schwesterliebe beruht nämlich auf Gegenseitigkeit.

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.