Warum die Abschaffung der Roaminggebühren keine gute Nachricht ist

Nicht mehr lange: Auf dem Display eines Handys werden Roaming-Informationen für die Nutzung im dem Ausland angezeigt. Foto: Soeren Stache
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von FELIX HONEKAMP

Jubel – nicht zuletzt auch bei vielen Euro- und EU-Kritikern: Endlich hat Europa auch mal was Positives gebracht! Wer braucht schon Euro-Bananen und eine Limitierung der Wattleistung von Staubsaugern? Der Moloch EU – einst tatsächlich als Friedensprojekt angetreten, was immerhin durchaus eine Erfolgsgeschichte darstellt, heute aber eher ein zentralistischer Leviathan – bringt so viel Unsinn hervor, dass man wohl auch schon für Kleinigkeiten dankbar ist. Ist doch toll: Abgesehen von (nicht wenigen) Ausnahmen, wird es zukünftig keine Roaminggebühren mehr geben, kostet das Handy-Telefonieren im EU-Ausland zukünftig genau so viel wie im Inland.

Oh, nein, eigentlich ist das nicht ganz richtig: Der Nutzer „bezahlt“ in Zukunft nur so viel wie im Inland, an den „Kosten“ für die Anbieter hat sich nichts geändert. Insofern kalkulieren Mobilfunkunternehmen nun neu, wie sie ihre Preise gestalten können. Dazu wird vermutlich auch gehören, die nächste Runde im Preiskampf um Niedrigangebote vielleicht doch ein bisschen sanfter auszutragen. Mit anderen Worten: Am Ende zahlen natürlich alle die bisherigen Roaminggebühren mit, die bislang nur die berappen mussten, die darauf angewiesen waren, im Ausland mit dem heimischen Handy zu telefonieren (oder die nicht mitbekommen haben, was das kosten kann und dann mit weit aufgerissenen Augen die Handyrechnung zum vermeintlichen Flat-Tarif präsentiert bekommen hatten). Das zahlen sie natürlich nur insoweit, wie die Nachfrage einigermaßen unelastisch auf Preiserhöhungen (oder unterbleibende Preissenkungen) reagiert.

Aber das alles ist Theorie, denn im Kern geht es nur um eins: Die EU hat sich mal wieder in einen Markt eingemischt, der ohnehin noch unter den Folgen einer jahrzehntelangen Monopolmisswirtschaft zu leiden hat. Von einem wirklich freien Markt kann man kaum reden, und das haben die Entscheider nun noch einmal zementiert: Wir, die EU, die Beamten, entscheiden, wie Preise aussehen dürfen und wie nicht! Das ist exakt die Attitüde, die jeden Liberalen gegen die EU aufbegehren lassen muss. Denn es geht hier nicht mal darum, ob die erzwungenen Preise noch kostendeckend sein könnten. Diese Untersuchung ginge von der irrigen Annahme aus, Preise ließen sich durch die einfache Formel „Kosten plus notwendigem Gewinn“ berechnen. Auf diese Weise allerdings würde man schon heute ein High-End-Smartphone für wenige Euro erwerben können.

Nur noch mal zum Mitschreiben an alle, die sich über solche Einflussnahmen freuen: Nicht die Kosten bestimmen in einem einigermaßen freien Markt den Preis, sondern der Preis die Kosten. Wenn die Verbraucher für den Kauf eines Produktes nur einen Preis zu zahlen bereit sind, der unter den Kosten der Herstellung liegt … dann kann der Produzent nicht die Preise einfach anheben sondern muss günstiger produzieren … oder es eben lassen. Und wenn Verbraucher für ein Smartphone mehr als 500 Euro zu zahlen bereit sind, dann kann sich der Hersteller über satte Margen freuen – jedenfalls so lange, bis ein anderer Anbieter ihn unterbietet, und den – nur scheinbar – ungerechtfertigten Marktpreis drückt (nur soweit, wie ihm das Geschäft auch noch Spaß macht).

Alles andere, alle politischen Einflussnahmen auf Preise sind im Kern Sozialismus, im Fall der Roaminggebühren wohl auch gepaart mit einer gehörigen Portion Populismus. Denn in den Jubel über einen staatlichen Preis für Auslandstelefonate stimmen fast alle Medien ein, getrübt nur durch den Hinweis auf eine erkleckliche Anzahl von Ausnahmen und Besonderheiten. In gewisser Weise ist sowas – das muss man neidlos anerkennen – ein Marketing-Coup. Sozialismus ist es trotzdem, und wer die Freiheit liebt, kann solche Entscheidungen nur mit tiefem Argwohn betrachten.

Bildquelle:

  • Roaming-Gebühren: dpa
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