Von sicheren Herkunftsländern und einer gehörigen Portion Zynismus

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von MARTIN D. WIND

Je länger die sogenannte Flüchtlingspolitik der Bundesregierung zur anregenden Beobachtung einlädt, umso erstaunlichere Aspekte kommen zum Vorschein. Einer der neuesten und kaum noch mit menschlichem Verstand zu fassenden „Gags“: Taliban haben in Deutschland durchaus gute Chancen auf eine Anerkennung eines Asylantrages, weil ihnen ihr blutiges Handwerk in Afghanistan von der Regierung verübelt werden könnte: Ihnen droht dort die Todesstrafe.

Diese interessante Abart der juridischen Logik unserer Behörden gebiert Folgen: Wer aus Afghanistan nach Deutschland geflohen ist, um den Halsabschneidern, Selbstmordbombern und Frauensteinigern der Taliban zu entgehen, wird von den deutschen Bundesländern in seinen „sicheren Herkunftsstaat“ abgeschoben. Man kann nur hoffen, dass er sich in Regionen aufhalten kann, in denen entweder die US-Amerikaner, die Engländer oder die Franzosen und eventuell die deutsche Bundeswehr noch präsent sind. Dort ist man als Mann noch relativ sicher.

Die Bundeswehr? Ach ja! Stimmt. Die Bundeswehr ist ja noch immer in dem sicheren Herkunftsland. Wahrscheinlich, um dort Erholungurlaub vom gefährlichen Dienst an der Waffe in heimischen Gefilden zu schieben. Oder sollte man sich da jetzt täuschen? Die Logik sagt, dass das so sein muss. Algerien, Marokko und sogar Tunesien oder auch andere nordafrikanische Staaten sind ja nach Ansicht unserer Politik schon so gefährlich, dass man dorthin keine Menschen abschieben darf. Die scheinen so gefährlich zu sein, dass die Politik sich nicht mal traut, die Bundeswehr dorthin zu schicken. Man mag sich gar nicht vorstellen, was da in Tunesien wohl passieren würde, kämen am Strand zwischen den TUI-Liegestühlen oder den Neckermann-Swimmingpools plötzlich deutsche Kampfschwimmer angelandet und die Gebirgsjäger würden durch das Atlas-Gebirge marschieren und holländische Reisegruppen erschrecken.

Immerhin haben die Angehörigen der deutschen Soldaten, die in Afghanistan im Kampf gegen die Taliban gefallen sind, auf diese Weise wenigstens mal die Möglichkeit, eventuell gar den Mördern ihrer Söhne, Ehemänner, Brüdern und Vätern  direkt in die Augen sehen zu können. Man wird sich dann auch mal austauschen können, was der Bundesregierung ein gefallener Soldat und die Unterstützung seiner Hinterbliebenen „wert“ ist und wieviel diese Regierung für das Wohlergehen eines anerkannten Asyl-Taliban so pro Monat locker zu machen bereit ist.

Sie meinen, das klinge jetzt aber arg zynisch. Sie haben Recht: Das ist zynisch. Die Realität des Handelns unserer Regierung ist in vielem nur noch mit Worten zu beschreiben, die zynisch klingen müssen, wenn man nicht beschönigen will. Weniger zynisch wäre gelogen.

Bildquelle:

  • Afghane: pixabay
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