Vollverschleiert auf dem Kettenkarussel

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von KLAUS KELLE

Meine Facebook-Freunde wissen, dass ich gestern zusammen mit Familie und Freunden im Europapark in Rust war. Es gibt auch andere schöne Freizeitparks in Deutschland, aber der Europapark hält mühelos auch mit den großen amerikanischen Parks à la Disneyland mit. Geschuldet ist das vor allen Dingen der Liebe zum Detail bei den Fahrgeschäften, den jährlich hinzukommenden Attraktionen, der phantastischen Gaastronomie und so weiter.

Freizeitparks liegen im Trend, sie sind ein gutes Geschäft und sie haben völkerverbindene Wirkung. Ich weiß nicht, ob ich gestern mehr Menschen im Europapark gehört habe, die Deutsch oder Französisch gesprochen haben. Viele mit Einschlag ins Schwyzerdütsch oder Englisch. Alle in Freizeitkleidung, Sonnenbrillen, bunte T-Shirts, Plastikbecher mit eisgekühlten Softdrings immer in der Hand. Und dann die Anderen: Gruppen von Frauen in schwarzer Ganzkörperverhüllung, schmale Sehschlitze – und das bei über 30 Grad Celsius. Die dazugehörigen Herren locker, T-Shirts, kaum unterscheidbar zu den anderen Männern im Park.

Als wir am späten Nachmittag mit unserer Gruppe um einen großen Tisch saßen und wagten, das erste eiskalte Hefeweizen zu bestellen, kam das Gespräch schnell auf die sichtbar große Zahl muslimischer Familien, die in wehendem Schwarz auf Kettenkarussels ihren Spaß hatten. Ist das also normal? Ein für uns fremder Anblick, eine andere Kultur, die sich plötzlich überall zeigt? Die Meinungen waren geteilt. Warum sollen die nicht hier Spaß haben, auch wenn sie zu einer anderen Religion gehören? Ist Deutschland nicht das bunte Land der Vielfalt? Wir-schaffen-das und so…

Und andere: Warum bauen die nicht in ihren Ländern Freizeitsparks und haben dort ihren Spaß? Wer bezahlt eigentlich die Eintrittskarten dieser Großfamilien? Und so weiter und so weiter. Und: Wenn sie sich an die Gesetze hier halten, warum nicht?

Ich bin grundsätzlich für eine freie Gesellschaft. Aber im Sommer im Freizeitpark unvermittelt auf ein dutzend schwarzverschleierte Frauen zu stoßen – so richtig habe ich mit daran noch nicht gewöhnt.

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.