SYMPOSION ZUR SEXUALPÄDAGOGIK: Gegendemo ein Rohrkrepierer – „Kindersexualität ist Widerspruch in sich“

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von MARTIN D. WIND (Wiesbaden)

Als blamabel und erbarmungswürdig könnte man die Resonanz auf das Trommeln und Werben interessierter Kreise zur Teilnahme an einer Demonstration gegen das Symposium „Sexualpädagogik der Vielfalt – Kritik einer herrschenden Lehre“ heute bezeichnen. Nach geschätzten Angaben der Polizei fanden sich bei der Protestveranstaltung gerade mal rund 350 Personen ein, die organisiert gegen das von Hedwig von Beverfoerde veranstaltete wissenschaftliche Symposium im Kurhaus in Wiesbaden „Flagge zeigen“ wollten. Von Beverfoerde ist bundesweit durch ihren zähen und nicht mehr zur Seite zu wischenden Widerstand gegen die Frühsexualisierung von Kleinkindern und Schüler aufgrund staatlicher Vorgaben für Bildungseinrichtungen bekannt geworden. Sie organisiert die „Demo für alle“. Es entsteht der Eindruck, den Befürwortern der „Sexualpädagogik der Vielfalt“ (SPV) gehe die Luft und die Lust aus, angesichts des ausdauernden und des argumentativ kaum zu widerlegenden Widerstandes.

Es wäre für Befürworter der „SPV“ auch zutiefst verstörend und erschreckend gewesen, hätten sie sich den Beiträgen des wissenschaftlich herausragend besetzten Referentenkreises stellen müssen. Gut vorbereitet durch eine „Kulturgeschichte“ der menschlichen Würde, deren theologischen und  philosophischen Grundlagen sowie die Zusammenhänge mit Sexualität, die von Professor Dr. Harald Seubert, Philosophie- und Religionswissenschaftler von der STH Basel, vorgetragen wurde, ging es dann juristisch „ans Eingemachte“.

Ohne lange Umschweife kam Prof. Dr. Christian Winterhoff, Juraprofessor an der Georg-August-Universität Göttingen, zum Punkt: Der hessische Schulbildungsplan mit dem Ziel, Kinder zur „Akzeptanz“ verschiedener sexueller Spielarten erziehen zu wollen, ist ein klarer Verstoß gegen Grundgesetz und Hessisches Schulgesetz. So gehe das explizit aus dem hessischen Schulgesetz selbst hervor. Der vielfältig mit Belegstellen unterfütterte Vortrag ist eine ergiebige Fundgrube für Menschen, die sich gegen die Einführung der „SPV“ engagieren wollen. Für Hedwig von Beverfoerde war diese deutlichen Botschaft des Referates ein „klares Signal an alle Kultusminister“.

Für viele erschreckend stellten sich die von Prof. (US) Dr. Jakob Pastötter vorgestellten Fakten zum wissenschaftlichen Datenbestand sogenannter Erforschung der „Sexualität von Kleinkindern und Kindern dar. Es wurde mehr als deutlich, dass die der „SPV“ zugrundeliegenden Daten den Anforderungen an wissenschaftliche Studien nicht im entferntesten standhalten. Für Pastötter ist klar: „Man darf nicht von Kindersexualität reden, wenn die Faktenlage so dünn ist.“ In launigen Worten erklärte er, wie diese „Faktenlage“ zustande kam und wären die da zutage tretenden Umstände nicht so erkennbar unwissenschaftlich gewesen, so hätte das Auditorium befreiter mitlachen können. Fazit seiner Ausführungen: „Kindersexualität ist ein Widerspruch in sich.“

Seine Darstellung zur Entstehungsgeschichte der „vorherrschenden Sexuallehre“, die ihren Niederschlag in den Lehrplänen einiger Bundesländer gefunden hat, mündeten in der deutlichen Empfehlung: „Es ist heute eigentlich erste Bürgerpflicht, nicht alles glauben, was vom Staat kommt und vom Staat finanziert wird.“

Einen kurzen Einblick in die Entstehungsgeschichte der „SPV“ gewährte Dr. Teresa Nentwig, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Demokratieforschung der Universität Göttingen. Sie erwähnte, leider nicht ausführlich, die tiefen Verstrickungen des „geistigen Vaters der Sexualaufklärung, Helmut Kentler, in die Szene der sexuallen Kindesmissbraucher. Hier hätten weiterführende Informationen das Bild abgerundet. Es war zwar spürbar, dass die „SPV“ ihre Wurzeln in einem problematischen Umfeld hat, die durchgängigen Begründungs- und Argumentationslinie, die bis in diese Zeiten hinein zurückverfolgbar sind, wurden von Frau Nentwig aber nur am Rande erwähnt.

Für das Publikum dieser hoch informativen Veranstaltung bleibt zum Ende der Eindruck, dass umstrittene Protagonisten der Sexualaufklärung der 60er und 70er Jahre ihrer ideologischen Vorstellung von Sexualität ein Deckmäntelchen umgehängt haben: „Sexualpädagogik der Vielfalt“. Heute versuchen ihre „Erben“ nun mit aggressivem Lobbying Politik, Gesetzgebung und Erziehungsinstitutionen in ihrem Sinne zu infiltrieren

Bildquelle:

  • Gegendemo_Wiesbaden_6.5.2017: martin d. wind
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