Nur die Demokratie kann einen Trump an die Spitze der Weltmacht USA bringen

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von FELIX HONEKAMP

 

Die Realität ist ein Drecksack – so müssen das seit ein paar Wochen viele Medienschaffende in Deutschland und Europa sehen, die den gewählten US-Präsidentschaftskandidaten Donald Trump kleingeschrieben und verunglimpft haben. Der Mann entspricht ganz deutlich nicht den Vorstellungen gepflegter Political Correctness, hat immer wieder Einschätzungen von sich gegeben, bei denen es den linken Zeitgeist gruselt und setzt diesen Kurs derzeit – nur wenig diplomatisch gebremst – weiter fort. Nebenbei: Mit Freiheitlichkeit haben seine Ankündigungen von Grenzsicherungen, Handelsschranken und Law-and-Order-Politik auch nicht viel zu tun. Auch wer als Libertärer sozialistische Anwandlungen der Art Obama/Clinton ablehnt, muss kein Trump-Fan werden.

Trotzdem ist Trump zum Präsidenten der USA gewählt worden. Und nun werden Zeitgeist-Journalisten nicht müde, diesen Erfolg einerseits klein und andererseits zur Katastrophe hoch zu schreiben: Es seien ja nur die weißen Männer niederer Bildung gewesen, die ihn in Massen gewählt hätten; und es seien nun überwiegend wütende, alte weiße Männer, die in verantwortliche Positionen gehievt werden. Abgesehen davon, dass Trump allerdings sowohl bei Frauen als auch bei Afroamerikanern und Latinos einen deutlich höheren Stimmanteil als erwartet erreicht hat, und abgesehen davon, dass eine solche Art von Wählerschelte von ganz schlechtem Stil zeugt, so weist diese Kritik doch auf einen nicht unwichtigen Punkt hin.

Ähnlich wie bei den Wahlanalysen zum Brexit oder gerade beim Verfassungs-Referendum in Italien bzw. – mit umgekehrten Vorzeichen – bei der Bundespräsidentenwahl in Österreich, kann man durchaus in dieser Weise Kritik an der Demokratie an sich üben. Die hat nämlich die unangenehme Eigenart, dass in ihr im Normalfall die Ideen und Vorstellungen von Mehrheiten umgesetzt werden. Wer diese Vorstellungen nicht teilt, sieht sich in der Situation, von der ungeliebten Mehrheit beherrscht zu werden.

Für linksliberale Journalisten war das so lange kein Problem, wie der Zeitgeist genau ihren Vorstellungen entsprach – oder sie ihn in diese Richtung haben lenken können. Zwischenzeitlich hat sich aber der gesellschaftliche Wind gedreht: Konservatismus ist wieder en vogue! Selbst die seit langem tot geglaubte Religion wird wieder zu einem gesellschaftlichen Faktor. Pauschale Akzeptanz-Forderungen für von der Mehrheit abweichende Lebensentwürfe haben dagegen ausgedient: Der von den meisten Medien entweder verschwiegenen oder verunglimpfte Kampf von Eltern gegen die in die Schulen eindringende Gender-Ideologie ist dafür ein beredtes Beispiel. Die Menschen folgen nicht mehr dem, was gutmeinende Journalisten zu meinen vorschreiben.

Trump, in dieser Hinsicht genauso ein Symptom wie hierzulande die AfD, sei ein Test für die Demokratie; viele meinen, er würde sie herausfordern. Das Gegenteil ist richtig: Nur eine Demokratie kann jemanden wie Trump an die Spitze einer Weltmacht mit über 300 Millionen Einwohnern bringen. Man mag das als Problem sehen, aber dann ist das nicht ein Problem der Demokratie, sondern dann ist die Demokratie das Problem. Vielleicht sollte man so ehrlich sein und zugeben, dass man der Demokratie in weiten Teilen nicht über den Weg traut. Eine sich daran anschließende Diskussion könnte zumindest hilfreich sein im Aufzeigen ihrer Grenzen.

Bildquelle:

  • Trump: pixabay
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