Mütter wollen eine anständige Rente statt einmal im Jahr einen Blumenstrauß

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von BIRGIT KELLE

Es nutzt ja nichts, wenn wir zwar von Mutti regiert werden, dies den Muttis im Land aber nichts nutzt. So könnte man die aktuelle Lage der Mütterpolitik knapp zusammenfassen und gar nicht erst anfangen, sich mit der Politik auseinander zu setzen, weil man sich sonst als Mutter nur ärgert. Nun ist aber Muttertag und somit Großkampftag an der Loblied-Front. Wir werden wieder hören, wie wunderbar Mütter sind. Und wie wertvoll. Was sie für einen grandiosen Job machen. Wie unersetzbar sie doch sind.

Jedes Jahr aufs Neue sind Politiker angesichts des Muttertages von sich selbst und ihren Gefühlen überwältigt. Es macht sich medial auch gut. Blumensträuße, Pralinen, egal was. Mutti wird gepriesen. Die unvermeidliche Familienministerin wird sicher auch ein paar Worte finden. Wie wichtig ihre eigene Mütterpolitik ist. Und wie viele Kitaplätze sie uns eigenhändig im letzten Jahr gebaut hat, damit auch wir Muttis wieder stramm am Arbeitsplatz erscheinen können. Ein Traum alles. Hach, ich könnte mir fast eine Träne aus dem Augenwinkel wischen, würde ich nicht lieber anfangen wollen zu schreien.

Von uns Müttern wird dann erwartet, dass wir uns bedanken für dieses Loblied. Ist das nicht nett, wie sehr man an uns denkt? Nein, ist es nicht. Behaltet eure blöden Blumen und eure Pralinen: Ich will eine Rente. Ich bin es leid, dass Mütter in Deutschland mit Feiertagsreden eingelullt werden. Ich möchte nach Berlin fahren und die Blumen vor den Bundestag schmeißen. Weil es nämlich nicht ausreicht, verbal anzutäuschen, um sich dann wegzuducken, wenn es ans Eingemachte geht. Dass ich als Mutter großartig bin, sagen mir meine Kinder, das sind die wahren Experten. Und die einzigen, deren Urteil zählt. Ich bin als Mutter nicht dazu da, dass sich die Politik mit ihrem Loblied an mir schmückt.

Aber wir tun doch so viel für Familie. Und für die Frauen erst! Werden sie mir entgegen rufen. Die Mütterrente! Genau, haben wir nicht gerade erst die Mütterrente erhöht? Nein haben wir nicht. Wir haben nur die Ungerechtigkeit aus der Welt geschafft, dass die Mütter, die vor 1992 entbunden hatten noch weniger Rentenpunkte pro Kind angerechnet bekamen, als die Mütter danach. Jetzt sind alle Mütter auf dem gleichen niedrigen Niveau angesiedelt. Wer das als Erfolg feiern will: Bitteschön, aber ohne mich. Ich will nicht länger abgespeist werden mit einer Rente, von der niemand leben kann und das, obwohl ich gerade vier Rentenzahler großziehe, die auch denjenigen eine Rente erwirtschaften werden, die heute keine Zeit, keine Lust oder auch nur keine Chance haben, Kinder zu bekommen. Man hat mich nicht gefragt, ob ich dies System gut finde. Man erwartet, dass ich mich einfüge und meine Kinder auch. Niemand fragt meine Kinder, ob sie später mit ihrem Geld die Rente für ihre Eltern, oder für Fremde bezahlen wollen. Das System bestraft das Kinderkriegen und belohnt die Kinderlosigkeit. Das sind Fakten statt Blumen.

Ich möchte keine Blumen, ich will, dass endlich all die Urteile des Bundesverfassungsgerichtes umgesetzt werden, die allesamt offensichtlich nicht das Papier wert sind, auf dem sie stehen. Und am besten, wir fangen mit dem  „Trümmerfrauenurteil“ vom 7. Juli 1992 an. Das Urteil ist also bald 25 Jahre alt und harrt der Dinge. Darin steht, dass „eine familienorientierte Gestaltung der Sozialpolitik im Hinblick auf die leistungsbegründende und angemessene Berücksichtigung der Kindererziehung in der gesetzlichen Rentenversicherung“ nötig ist, weil es eine Benachteiligung der Familien sei, „wenn die Kindererziehung (…) mit Einbußen bei der späteren Rente bezahlt wird, obwohl Kinder die Voraussetzung dafür sind, dass die Rentenversicherung überlebt“. Ein Satz zum Niederknien. In dem Urteil steht auch, dass das Großziehen eines Kindes ein eigener „generativer Beitrag“ ist, so wie Beiträge einzahlen. Weil Mütter, die Kinder großziehen, nämlich arbeiten. Wenn wir es nicht tun, bezahlt ihr doch von unserem Steuergeld die Erzieherin. Warum sollte die gleiche Arbeit, geleistet von Müttern also nichts wert sein? Wo sind eigentlich die Gewerkschaften, wenn man sie wirklich mal braucht? „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ gilt als Slogan offenbar nicht, wenn sie von Frauen mit den eigenen Kindern geleistet wird. Ich muss schon fremde Kinder großziehen, damit es was zählt.

In diesem Sinne: Setzt einfach nur mal dies eine Urteil um. Mehr will ich nicht für die nächste Legislaturperiode. Jedes großgezogene Kind ein Plus in der Rente. Keine Altersarmut mehr für Mütter. Dann könnt ihr mir auch wieder Blumengrüße schicken. Bis dahin: Lasst stecken!

Bildquelle:

  • Mütter_Baby: pixabay
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