Medien heute: Ein Vabanquespiel zwischen Geben und Nehmen

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von MARTIN D. WIND

Es gibt keinen Menschen, der keine Fehler begeht. Die eine betrügt den Ehemann, der andere vertuscht Behandlungsfehler,  weitere schummeln bei der Steuer. Wir alle machen Fehler, fahrlässig oder vorsätzlich. Vor solchen Fehlern sind auch Journalisten nicht gefeit. Meistens sind diese ärgerlich, aber nicht strafbewehrt.

Nun meldet die Staatsanwaltschaft Regensburg, dass sie gegen den Redaktionsleiter des Regensburger Wochenblatts, Christian Eckl,wegen „Bestechung“ ermittele. Man wirft ihm vor, dem unter Korruptionsverdacht stehenden Regensburger Oberbürgermeister Joachim Wolbergs (SPD) „wohlwollende Berichterstattung“ gegen die Herausgabe geheimer Unterlagen der Stadt Regensburg zugesagt zu haben. Das gehe aus abgehörten Telefonaten zwischen Eckl und dem OB hervor. Der Bayerische Rundfunk (BR) berichtet, Wolbergs habe Eckl darum gebeten, vertrauliche Akten zu vernichten, damit diese bei einer Durchsuchung der Redaktion nicht gefunden würden. Höhepunkt sei die Zusicherung Eckls gegenüber Wolbergs, „jeden Meineid zu schwören“, so der BR.

Sollten sich diese Vorwürfe bewahrheiten, dann hätte hier jemand alle Grenzen vom handwerklich guten Journalismus zum Pfusch und vom Fehler zur Straftat überschritten. Er hätte durch sein Agieren, das dem Pressecodex in weiten Teilen zuwiderläuft, „die Presse“ noch mehr in Verruf gebracht. Aber Eckl und diese Details sind nicht Gegenstand der Überlegungen. Sie sind nur symptomatisch für das, was „im Hintergrund“ laufen kann.

Noch bis in die 1980er Jahre wurden Autoredakteure von Kollegen beneidet: Zum Ferienanfang standen gut motorisierte Kombis für „Langzeittests“ bereit, die an die spanische Küste oder in mondäne Skiorte führten. Dort konnte man Kollegen aus dem Reiseressort beim Überprüfen der Wasserqualität oder auch der Schneeverhältnisse treffen. Ganzjährig erfuhr man von Kollegen aus der Restaurantkritik so manche legendäre Erlebnisse in den italienischen Marken und der französischen Bourgogne. Viele Medien haben aus solchen Vorkommnissen gelernt und zeigen an, von wem eingeladen wurden.

Es ist ein Vabanquespiel zwischen Geben und Nehmen, zwischen journalistischem Ethos, Pressecodex, zwischen Berichterstattung und Tendenzschreibe.  Da bedarf es eines starken Charakters, eines Berufsbildes mit dem Bemühen dem Ideal nahe kommen zu wollen und es bedarf einer inneren Unabhängigkeit und dem Willen zur Einhaltung aller Grenzen. Sonst drehen Journalisten mit verdecktem Handy Videos und schneiden sie tendenziös. Sonst fahren Redaktionen  Kampagnen-Journalismus für ehemalige Studienkollegen und deren Ziele.

Der Ruf des Journalismus ist strapaziert. Umso ärgerlicher, wenn schwarze Schafe das Bild des Journalismus weiter eintrüben. So wird verständlich, dass Menschen, die von Journalismus wenig Ahnung haben, durch Pfuscher verleitet werden, den Berufsstand als „Lügenpresse“ zu brandmarken. Noch ärgerlicher ist es aber, wenn diese Pfuscher nicht nur Schreiber eines Provinzblattes sind, sondern sich hochbezahlt in öffentlich-rechtlichen Medien finden.

Journalist wird man, weil man neugierig ist, weil man Dingen auf den Grund gehen und sie möglichst objektiv und verständlich darstellen will. Es gibt einen Pressecodex, der Grenzen zieht und deutlich macht, wie das Handwerk auszuüben ist. Mauscheleien zwischen Politik und Provinzjournalisten können da nicht geduldet werden. Auch  der allzu vertraute Umgang zwischen Politik und „Hauptstadkorrespondenten“ hat ein „Gschmäckle“. Der ehemaligen Tagesthemen-Moderator Hanns Joachim Friedrichs hat das folgendermaßen formuliert: „Distanz halten, sich nicht gemein machen mit einer Sache, auch nicht mit einer guten, nicht in öffentliche Betroffenheit versinken, im Umgang mit Katastrophen cool bleiben, ohne kalt zu sein.

Das bedeutet keineswegs, dass man „privat“ keine Standpunkte haben soll. Diese gehören aber in einen Kommentar und nicht in Berichte. Wer mit dem Journalismus sein persönliche Agenda betreiben will, hat in diesem Beruf nichts verloren.

 

Bildquelle:

  • Journalismus: pixabay
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