Kleingeisterei im Weserkiez: Wie in Berlin ein Unternehmen kaputt gemacht werden soll

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von DR. PATRICK PETERS

Deutschland steht wirtschaftlich glänzend da, die ganze Welt beneidet uns um unsere ökonomische Stärke, unser Ausbildungssystem und unsere hohe Innovationskraft – denn kein Land erwirtschaftet Jahr für Jahr einen beeindruckenden Exportüberschuss, weil es am lautesten „hier“ schreit. Sondern weil es weltweit begehrte Produkte und Know-how zur Verfügung stellt.

Trotz allem wird Deutschland auch wirtschaftlich mehr und mehr zu einem Irrenhaus. Das jüngste Beispiel stammt aus Berlin. Dort hat Jungunternehmer Hagen Wittenborn kürzlich das Fantastic Foxhole Hostel im Weserkiez in Neukölln übernommen. Es entstand aus dem sogenannten Szenelokal Fuchs & Elster, das auch entgeltliche Fremdenzimmer für Mitarbeiter, Musiker und Gäste anbot. Jetzt verfügt das Fantastic Foxhole Hostel über 33 Betten – und die sind dem Neulköllner Bezirksamt auf einmal ein Dorn im Auge. Denn jetzt ist die Nutzung zur Beherbergung von Personen durch den neuen Pächter untersagt. Das Städteentwicklungsamt beruft sich dabei auf eine sogenannte „Nutzungsänderung am Standort“ und diese erfordere die Stellung eines Antrags auf Nutzungsänderung.

Dass sich aber an der tatsächlichen Nutzung der Räumlichkeiten im Vergleich zu seinen Vorbesitzern nichts geändert hat, wird momentan ignoriert. Das Bezirksamt hat das Fantastic Foxhole Hostel deshalb aufgefordert, den Betrieb beziehungsweise die Beherbergung von Personen einzustellen. Ansonsten droht dem neuen Betreiber eine Zwangsstrafe von 2000 Euro, welche bis zur Erfüllung der Verpflichtung wiederholt oder erhöht werden kann, heißt es in einer Mitteilung des Hotels, das den vom Bezirksamt gewünschten Antrag auf Nutzungsänderung freilich dennoch gestellt habe.

Als ob dies nicht schon genug anti-wirtschaftlicher Blödsinn wäre, geht es weiter. Denn nun haben auch die Weserkiez-Anwohner ihre Abscheu auf die Unternehmensgründung entdeckt, getreu dem Motto: Wie kann jemand nur in unserer Kiez-Nachbarschaft Geschäft machen? Das gilt es zu verhindern – und zwar mittels der Bürgerwehr „Demokratische Stadtentwicklung“, die sich gegen die „Ver-Simon-Dachisierung des Reuterkiezes“ (was immer das sein soll) wehren will. Und zwar mit dem Vertrauen erweckenden Schlagwort „Fantastic Foxhole Hoste wegkegeln“.

Sie ahnen, was kommt, richtig? Richtig: Der ein oder andere nimmt es wörtlich mit dem „Fantastic Foxhole Hoste wegkegeln“. In der vergangenen Woche warfen vier Unbekannte um Mitternacht grüne Farbbeutel auf den gerade eröffneten Beherbergungsbetrieb. Die Täter beschmutzen damit die Fassade sowie den Eingang des Hostels. Dabei attackierten sie auch Gäste des benachbarten Restaurants, die auf der Straße saßen und speisten. Die Polizei ermittelt gegen die Bürgerwehr „Demokratische Stadtentwicklung“, der Pächter stellte Strafanzeige.

Man findet kaum Worte für dieses Vorgehen. Wie hochgradig bekloppt muss man sein, um ein angemeldetes Unternehmen, das Steuern zahlt und Arbeitsplätze schafft (an einem Standort wohlgemerkt, der nicht gerade in dem Ruf steht, Heimat einer schlagkräftigen Wirtschaft zu sein) auf diese Art und Weise zermürben zu wollen? Die Gegner stören sich unter anderem an der „Tourification“, also daran, dass Touristen in ihr Kiez kommen, das sich für „auf Nachhaltigkeit angelegtes Kleingewerbe“ rühmt. Gegen Kleingewerbe ist überhaupt nichts einzuwenden. Gegen ewig-gestrige, wirtschaftsfeindliche Kleingeisterei schon. Denn das schadet Deutschland. Erst im Kleinen, irgendwann im Großen.

Bildquelle:

  • Fantastic_Foxhole_Hostel, Berlin: dpa
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