Johannes der Täufer: Kein größerer Mensch auf Erden

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von PETER WINNEMÖLLER

Es ist eine Wende der Zeiten, in der Johannes der Täufer lebte. Es ist eine Wende im Jahr, wenn wir am 24. Juni seinen Festtag feiern. Die Sonne hat ihren höchsten Stand, die Tage sind am längsten und der Sommer strebt auch von den Temperaturen her auf seinen Höhepunkt zu.

Viele Bräuche verbanden sich in der Vergangenheit mit dem Fest des Heiligen. Die Johannisfeuer zeigten an, daß es die Mitte des Jahres ist. Johannissträuße aus sieben Kräutern wurden gebunden. In Skandinavien wird an Johannes Mittsommer gefeiert. Zahlreiche Bauernregeln zum Wetter machen sich an Johanni fest. Es ist die Zeit kurz vor der Ernte, in der das Wetter besondere Bedeutung für den Ertrag der Felder hat.

Spargelfreunde tragen Trauer. An Johanni wird der letzte Spargel geschnitten. Die Rosen im Garten nehmen mit den Johannistrieb den zweiten Anlauf. Die Liste ließe sich noch lang fortsetzen. Das zeigt die Bedeutung des Festes im Laufe des Jahres an.

Der Heilige Johannes kündigt auch in einer anderen als der oben beschriebenen Weise eine Wende der Zeiten an. Er ist der letzte Prophet des Alten Bundes. Mit der Ankündigung Jesu öffnet er das Tor zum Neuen Bund. Nicht etwa, daß er den Alten Bund kündigte. Gott ist treu, er hält seinen geschlossenen Bund. Der Neue Bund ist die Erfüllung des Alten Bundes in Jesus Christus, dem Johannes vorweg geht. Es ist noch ein halbes Jahr bis Weihnachten. Auch im Kirchenjahr zeigt Johannes wie damals am Jordan auf Jesus.

Nach Johannes gefragt, antwortet Jesus, dass es keinen größeren Menschen auf Erden gibt. Das ist eine starke Aussage über einen starken Mann. Selbst der König fürchtete ihn, weil er ein Gottesmann war. Nur auf Grund einer Intrige seiner Frau, die er zu unrecht geheiratet hatte, ließ der König ihn enthaupten. Für diese Wahrheit, die Johannes nicht verschwieg, erlitt er das Martyrium. Auch darin ging er seinem Nachfolger voran.

In der Exegese wird manchmal von ihm gesagt, er nehme die Funktion von Elja wahr, weil er, wie im Alten Testament angekündigt, der Ankunft Gottes voran geht. Das ist eine wunderbare Beschreibung, denn in der Tat tut er genau das. Sogar die Verkündigung Jesu nimmt Johannes vorweg. „Kehrt um, das Himmelreich ist nahe“, so predigt er am Jordan. Mit denselben Worten läßt der Evangelist Markus das öffentliche Wirken Jesu beginnen. Der Bußtäufer tut auch selber, wozu er auffordert, er bereitet dem Messias den Weg.

Er ist eine kantige Gestalt. Die Evangelien berichten, daß er sich in Felle kleidete und von wildem Honig lebte. Mit einer bürgerlichen Gesellschaft und ihren Kompromissen kann er nichts anfangen. Er ist radikal im allerbesten Sinne. Sein Glaube an Gott geht an die Wurzel. Damit steht Johannes für etwas ganz neues. Aber er ist bescheiden und nimmt sich selber zurück.

Mit dem Fest des Heiligen Johannes beginnt ebenso wie mit seiner Person eine neue Zeit. Die Tage werden kürzer. Langsam, zunächst völlig unmerklich, nimmt die Dunkelheit zu. Sechs Monate später, am 24. Dezember, erscheint uns das Licht wieder. Wir feiern die Geburt Jesu, den Johannes auch heute noch mit seinem Festtag voran geht. Die Feste im Jahreskreis sind wie ein Spiel angeordnet. Wir Gläubige darin Kinder, die das Heilshandeln Gottes nachspielen. Nie lernt man besser, als im Spiel. Das Nachspielen der Heilsgeschichte ist wie ein getanzter Reigen und wiederholt sich Jahr für Jahr. Der morgige Johannistag ist einer der Höhepunkte in diesem Festreigen. Die Kirche feiert es als Hochfest, das im Range eines Sonntages steht.

Bildquelle:

  • Johannes der Täufer: pixabay
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