Gibt es also nun Mann und Frau oder unzählige wechselnde Geschlechter?

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von MARTIN D. WIND

Kaum ein vernünftiger Mensch in westlichen Kulturen geht heute noch davon aus, dass Frauen und Männer unterschiedliche Rechte hätten. Vor dem Gesetz und für den Staat sind alle Menschen gleich, die Gleichberechtigung von Mann und Frau hat ihren Siegeszug ins Bewusstsein zivilisierter Menschen – beinahe – vollendet. An dieser Stelle sei dem unermüdlichen Einsatz vieler Feministinnen gedankt, die sich für diese Selbstverständlichkeit eingesetzt haben, oft gegen hartnäckigen und unwürdigen Widerstand aus den Gesellschaften.

Für eine solche Betrachtung der Situation von Mann und Frau kann man selbstverständlich jederzeit Widerspruch ernten. Vielleicht ist dabei sogar manches berechtigtes, was bei der Betrachtung untergegangen sein mag und was noch zu ändern wäre. Nichtsdestotrotz ist die gesellschaftliche Gleichstellung von Mann und Frau inzwischen weitgehend eine Selbstverständlichkeit. Ein Mittel dieser Gleichberechtigung sahen viele Feministinnen und Feministen – ja, auch die gibt es – in der Gleichstellung. Gleichstellung bedeutet(e) hier konkret einen amtlich geförderten Sexismus zu Lasten „der Männer“: Männer hatten zu schlucken, dass in Stellenausschreibungen klar ihre Diskriminierung angekündigt wurde, sobald eine Bewerberin und ein Bewerber über „gleiche Qualifikationen“ verfügten. So stand und steht es geschrieben.

Schwamm drüber – auch wenn das oft zu skurrilen Folgen führte. Seit einigen Jahren sind wir nun mit der sogenannten Gender-Forschung und der sich daraus ergebenden Gender-Ideologie konfrontiert. Viele Feministinnen haben das Aufkommen dieser „Ideologie“ begrüßt, sehen sie darin doch eine „Schwester im Geiste“ im Kampf für Gleichberechtigung und/oder Gleichstellung. Es gibt durchaus manche Gründe, die für die die Befassung mit dem Geschlecht sprechen. Manche Apologeten der „Gender-Forschung“ führen beispielsweise – und das zu recht – vernachlässigten unterschiedlichen Wirkungen von Medikamenten bei Mann und Frau an, die bis zum Beginn des Jahrzehnts kaum im Blick der Wissenschaft waren. „Gender-Forschung“ hat da die Augen geöffnet und die Wissenschaft und Forschung sensibilisiert.

Erstaunlich ist jedoch, dass gerade dieses Beispiel auf einer biologisch determinierten Zwei-Geschlechtlichkeit des Menschen basiert. Genau diese aber stellt „Gender“ in Frage. Gut, man muss nun zwischen der körperlich-biologischen Geschlechtlichkeit und dem „sozialen Geschlecht“ unterscheiden, wie uns die Gender-Ideologie vorgeben will. Dennoch beginnt es schon hier im fundamental morschen Gebälk dieser inzwischen ins Abstruse überdrehten „Wissenschaft“ zu krachen: Sie fordert eine Befassung mit Medikamentenwirkungen auf Grundlage einer biologischen Faktizität, die sie aus ideologischen Gründen negiert haben will.

Richtig interessant für das Verhältnis zwischen traditionellen Feministinnen und Gender-Ideologen wird es jedoch bei einer konsequenten Anwendung der Vorstellungen vom „sozialen Geschlecht“. Dieses „soziale Geschlecht“ ist – laut Gender-Ideologie – etwas, was der Mensch selbst wählen können soll. Bisher sei es so, dass wir Menschen in gesellschaftlich vorgelebten und zwangsweise vermittelten geschlechtlichen Rollenbildern lebten, die es dringend zu überwinden gälte. Für Gender-Gläubige gibt es zwar durchaus auch Mann und Frau – neben zigtausend weiteren kaum zu erfassenden geschlechtlichen „Bewußtseine“ – allerdings dürften diese nicht mehr als feststehende Kategorien verstanden werden und zu gesellschaftlicher Verortung führen. Höhepunkt dieser Vision ist die ständig dem Wandel unterworfene geschlechtliche Selbstwahrnehmung: Heute bin ich Männlein, morgen bin ich Weiblein und übermorgen Transmensch oder auch Intergeschlechtlich.

Wenden wir diese Vorstellung nun konsequent an: Im Recht ging es bisher um den biologisch-wissenschaftlich definierten Mann und die Frau. Nun kommt die Gender-Ideologie und fordert ein Umdenken in der Gesellschaft, hin zur frei gewählten Geschlechtsidendität. Was geschieht nun mit der hart erkämpften Bevorzugung von „Frauen bei gleicher Qualifikation“, sobald ich mich – ein Mann – in der Bewerbung als Frau empfindend darstelle? Man kann davon ausgehen, dass wir spannenden Rechtsstreitigkeiten entgegensehen dürfen, sollten diese „Pfründe“ geschleift werden.

Bildquelle:

  • Mann_Frau: pixabay
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