Gauck fordert von Zuwanderern, sich mit deutscher und europäischer Geschichte zu beschäftigen

Zum Ende seiner Amtszeit formulierte Bundespräsident Gauck ein klares deutsches Bekenntnis zu Europa. Foto: Rainer Jensen
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Berlin – Bundespräsident Joachim Gauck hat ein deutliches europäisches Signal gegen das von US-Präsident Donald Trump verfügte Einreiseverbot für Bürger aus muslimisch geprägten Ländern verlangt. «Dazu sollten wir uns sehr klar äußern», sagte Gauck in einem Interview fünf europäischer Tageszeitungen.

Mit dem Einreiseverbot werde Menschen muslimischen Glaubens und bestimmter Herkunft pauschal unterstellt, sie seien gefährlich. «Das ist mit unseren Vorstellungen von Menschenwürde, Gleichheit und Religionsfreiheit nicht vereinbar.»

Von den nach Deutschland Eingereisten fordert Gauck eine Beschäftigung mit der europäischen Geschichte und der deutschen Verantwortung für den Holocaust. Die Zugewanderten sollten «wissen, dass wir uns erinnern wollen und gleichzeitig sehen, dass uns daraus Verantwortung für die Gegenwart erwächst, uns einzusetzen für Menschenrechte und Demokratie».

Gauck äußerte sich in einem gemeinsamen Interview der Tageszeitungen «NRC Handelsblad» (Niederlande), «The Guardian» (Großbritannien), «Le Monde» (Frankreich), «La Stampa» (Italien) und «El Pais» (Spanien). Es war in seinem Amtssitz Schloss Bellevue in Berlin geführt worden.

Zum Ende seiner Amtszeit formuliert Gauck quasi auf europäischer Bühne ein klares deutsches Bekenntnis zu Europa und zu einer selbstkritischen Weiterentwicklung der EU. Er nimmt zur Migrations- und Flüchtlingspolitik Stellung sowie zu den populistischen Bewegungen in Europa und zur internationalen Rolle Deutschlands.

Die Bundesrepublik, so der Bundespräsident weiter, befinde sich in einer «Zeit des Übergangs – aus einer Selbstbescheidung und Selbstbegrenzung wegen historischer Schuld hin zu einer noch aktiveren Rolle in Europa und der Welt». Deutschland wolle und könne aber nicht alleine die Werte einer freien Welt schützen. Berlin sei eine verlässlicher Partner in EU und Nato. Und Gauck versichert: «Europa gehört zur deutschen DNA.»

 

Bildquelle:

  • Bundespräsident Gauck: dpa
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