Es sind nur die Weibchen, die stechen

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von MARTIN D. WIND

Viele Menschen wissen, dass ich einen großen Teil des Tages in der Natur verbringe. In jüngster Zeit ist mir der Aufenthalt in dieser Natur aber ein wenig vergällt. Ich weiß nicht mehr, wie ich mit dieser Natur umgehen soll. Nehme ich sie so, wie sie ist, dann fühle ich mich als Sexist, als Anti-GENDER-Aktivist und übler Chauvinist. Ich lehne jede Form von Diskriminierung ab.

Nun ist es so, dass Stechmücken einen erheblichen Schluck von Säugetierproteinen zu sich nehmen müssen, um ihrer biologisch determinierten Bestimmung nachkommen zu können: Eier legen. Diese Eier produzieren sie aus dem Eiweiß, das sie aus dem Blut ihrer Säugetieropfer gewinnen. Unter anderem gehöre auch ich zu den Opfern dieser Spezies. Ich bemühe mich, mich als Blutopfer so unattraktiv wie möglich zu machen. Dazu bediene ich mich eines Produkts aus dem Hause SC Johnson, eines Familienunternehmens, das seit 1886 produziert. Ich nehme an, deren genderunsensibles Mückenvertreibungsmittel atmet noch den Geist unseliger patriarchalisch-hierarchischer Zeiten, als sich niemand Gedanken darüber machte, wer nun genau Zielgruppe der Vergrämung ist.

Seien wir ehrlich: Es sind nur die Weibchen, die stechen. Sie umsurren das Opfer, warten auf eine gute Gelegenheit und dann setzen sie sich ungeniert auf die Hautoberfläche. Sie bohren ihren Rüssel durch die Oberhaut, arbeiten sich bis zu einem blutführenden Gefäß vor und dann spritzen sie ihre widerlich juckenden Antigerinnungsmittel in das Bohrloch. Sie pumpen sich mit lebensspendendem Blut ihrer Opfer voll und denken nicht im Traum daran, was sie da gerade angerichtet haben. So sind sie …

Aber sie sind mit ihrem sexistischen Verhalten nicht alleine. Seitdem es wärmer wird, seitdem die Tage länger werden sitzen im Gebüsch und auf den Bäumen allerorten Vogelmänner und schreien sich die Kehle aus dem Hals. Sie tun das, um Grenzen abzustecken und um die Weibchen anzulocken. Die Weibchen reagieren. Vertrauen Sie mir. Ich habe das beobachtet. Je größer die Klappe, desto willfähriger die Weiber. Ich war völlig entsetzt als ich das beobachtet habe. Sowas sollte nicht sein! Eigentlich sollten all diese Vögel ihr soziales Konstrukt selbst wählen können und sich nicht so biologisch determiniert männlich oder weiblich verhalten müssen.

Einer meiner Lieblinge, der Schwarzspecht, ist ein ganz übler Rabauke. Man kann da die Geschlechter gut an der Größe der roten Kopfplatte unterscheiden. Wie üblich haben die Männer wieder mal mehr Putz auf dem Schädel. Die Frauen geben sich bescheidener. Aber die Frauen sind neugieriger. Wenn ich diese Vögel anpfeife, dann kommen die Weibchen eher näher als die Männer.  Ich wage nicht zu ahnen, weshalb die Weibchen unbedingt wissen wollen, wer da lauter und kräftiger als ihr bisheriger Galan zu pfeifen in der Lage ist. Schöne Photos haben sie mir mit ihrer geschlechtsspezifischen Verhaltensweise allemal beschert.

Auch bei den Rehen komme ich nicht umhin, geschlechtsspezifisches Verhalten attestieren zu müssen: Die Ricken sind einfach cooler. Da gibt es kein Vertun. Währen die Böcke bereits aufgeregt „bellend“ durch die Pampa hüpfen, stehen die Weibchen ruhig äsend auf den Wiesen rum. Sie sind schlicht abgebrühter. Gut so.

Und jetzt? Jetzt sitze ich mit meinen Erfahrungen aus der Natur zu Hause und versuche diese natürlichen Erkenntnisse auf das zu übertragen, was mir ein großer Teil der Medien als „gender-gerecht“ zu verkaufen sucht. Ich bin völlig zerrissen zwischen Natur und „gender“. Es treibt mich um und macht mich nervös. Eigentlich könnte es so einfach sein: Lassen wir der Natur ihren Lauf. Aber wo kämen wir denn da hin. Das wäre ja „pures Mittelalter“ …

Mittelalter ist übrigens die Zeit, in der die Menschheit kulturell und wissenschaftlich gesehen die größten Fortschritte gemacht hat. Das wurde erst von der „Aufklärung“ beendet. Heute gilt schon die Verdopplung von Speicherkapazität als „kultureller Fortschritt“.

Bildquelle:

  • Stechmücke: pixabay
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