Es geht uns gut – warum sollten wir uns darüber nicht einfach einmal freuen?

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von DR. PATRICK PETERS

Deutschland steht wirtschaftlich glänzend da. Im ersten Halbjahr nahmen Bund, Länder, Gemeinden und Sozialkassen unter dem Strich 18,3 Milliarden Euro mehr ein als sie ausgaben. Das teilte das Statistische Bundesamt am Freitag anhand vorläufiger Daten mit. Damit beschert der kräftige Wirtschaftsaufschwung dem deutschen Staat einen Rekordüberschuss.

Aber kann die Wirtschaft eigentlich gut laufen? Darf die das überhaupt? Denn das dauerhafte Geunke, wie schlecht es Deutschland doch gehe, nimmt nicht ab. Gerade in den Sozialen Medien und im weniger seriösen Teil der Medienlandschaft (insbesondere im Online-Bereich) wird regelmäßig vom wirtschaftlichen Untergang der Bundesrepublik schwadroniert. Das ist, man muss es in dieser Deutlichkeit sagen, haltloser Unsinn: Die öffentlichen Kassen erzielten das höchste Plus aus eigener Kraft seit der Wiedervereinigung. Höher war der Überschuss nur im zweiten Halbjahr des Jahres 2000 mit gut 28,8 Milliarden Euro als die Versteigerung der UMTS-Mobilfunklizenzen dem Staat Sondereinnahmen brachten.

Insofern blicken wir bei den öffentlichen Einnahmen auf ein Rekordergebnis, ebenso bei der Arbeitslosigkeit, dabei natürlich auch im positiven Sinne. 2,518 Millionen Arbeitslose im Juli war der niedrigste Wert für diesen Monat seit der Wiedervereinigung. Das kommt einer Quote von 3,9 Prozent gleich (wenngleich sich dies nicht aufs ganze Jahre applizieren lassen wird). Wir sollten uns dabei einfach einmal zurückerinnern: 2005 lag die Arbeitslosigkeit bei 11,7 Prozent im Jahresdurchschnitt, geschätzt wird es dieses Jahr die Hälfte sein.

Woher die Mär von der untergehenden Bundesrepublik kommt, man weiß es nicht. Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen ist dauerhaft stark rückläufig (auch wenn hin und wieder ein paar Highlight-Pleiten in die Medien kommen), die Börsen kennen eigentlich nur einen Weg, Firmen investieren und können sich günstig refinanzieren und der private Konsum hat sich ebenso auf einem hohen Niveau eingefunden. Es gibt also keinen nachvollziehbaren Grund, Horrorszenarien an die Wand zu werfen.

Das muss Deutschland erst einmal an anderes Land nachmachen, über die Jahre hinweg allen Krisen zu trotzen und die ökonomische Lage zu stabilisieren. Es geht uns gut – warum sollten wir uns darüber nicht einfach einmal freuen?

Bildquelle:

  • Euro-Scheine: dpa
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