Eine Immobilienblase gibt es nicht!

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von DR. PATRICK PETERS

Die Deutschen lieben ihre Immobilien. Viel eher als in Aktien und Co. legen die Sparer hierzulande ihr Geld in Immobilien an, und das Eigenheim gehört für die allermeisten zu den Lebensträumen schlechthin. Und dazu kommen zahlreiche internationale Investoren und institutionelle Anleger, die ihre umfangreichen Vermögen gerne in Wohn- und Geschäftsgebäude stecken. Zum einen, weil sie sich davon in Zeiten des niedrigen Zinses noch eine halbwegs adäquate Rendite versprechen, zum anderen, weil in Deutschland im internationalen Vergleich vergleichsweise geringe Preise für hochwertige Immobilien an Top-Standorten aufgerufen werden. Das ist in London, Paris etc. anders.

Dieser Run hat dazu geführt, dass die Preise für Eigennutz- und Renditeimmobilien in den vergangenen Jahren stark gestiegen sind. So stark, dass man sich in München, Hamburg oder Düsseldorf fragen muss, wie der Durchschnitt der Bevölkerung auch nur im entferntesten daran denken kann, dort eine Immobilien zu erwerben (siehe dazu auch die Kolumne „Gefährliche Debatte: Die Einkommensteuer definiert keinen Reichtum“). Diese Preisentwicklung hat bereits dazu geführt, dass hin und wieder von einer Immobilienblase die Rede ist – ein ungutes Zeichen, wenngleich man mit Untergangsszenarien natürlich immer vorsichtig sein muss.

Besonders dann, wenn man sich die Zahlen genau anschaut. Zwar sind die Immobilienpreise in Deutschland im zweiten Quartal 2017 weiter gestiegen – allerdings mit gebremster Dynamik. Dies zeigt die aktuelle Auswertung des F+B-Wohn-Index Deutschland. Der F+B-Wohn-Index Deutschland als Durchschnitt der Preis- und Mietentwicklung von Wohnimmobilien stieg im zweiten Quartal 2017 im Vergleich zum Vorquartal mit leicht abgeschwächter Dynamik um ein Prozent. Im Vergleich zum Vorjahresquartal beträgt die Steigerung dann immer noch 5,2 Prozent, aber die Entwicklung zeigt, dass der Mega-Boom der Vorjahre langsam, aber sicher nachlässt.

An manchen Standorten ist dies schon konkret zu beobachten. Die oftmals ohnehin zu hohen Preise sinken, die Transaktionshäufigkeit lässt nach und Kaufinteressenten nehmen immer öfter Abstand von allzu „sportlichen“ Erwerben, wie Immobilienmakler regelmäßig bestätigen. Will heißen: Es braucht bei ambitioniert bewerteten Immobilien immer mehr Zeit, diese zu veräußern; der viel beschworene Verkauf einer jeden Immobilie, egal wie teuer sie ist, innerhalb weniger Tage funktioniert mittlerweile nicht mehr.

Freilich, die Immobilienpreise befinden sich weiterhin auf einem hohen Niveau. Aber diese bereits sichtbare Anpassung der Preise nach unten führt natürlich dazu, dass sich das Risiko einer umfassenden Immobilienblase abschwächt und Bestandsimmobilien für eine breitere Bevölkerung – abseits der Top-Standorte – wieder erschwinglicher werden. Das ist durchaus eine gute Nachricht.

Bildquelle:

  • Hausbau: pixabay
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