Die Bundeswehr wird umgekrempelt: Und die Soldaten sind nur noch schöne Staffage

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Gastbeitrag von BJÖRN SCHREIBER
Nun bewahrheitet sich also das, was alle Bundeswehrgegner sowieso schon wussten: Die Bundeswehr ist ein Hort von Rechtsextremen mit unterirdischer Führungskultur(„Führungsschwäche“) und einem Hang zur Wehrmacht („Haltungsprobleme“). Hat ja schließlich die Verteidigungsministerin auch so gesagt. Das seien keine Einzelfälle. Dann konnte sie – medial perfekt inszeniert – nicht oft genug betonen, dass ein überwiegender Teil doch einen tollen Job macht und auf den Grundfesten der Verfassung steht.
Um dann bei Anne Will wieder anzumerken, dass das Schlimmste noch bevorstehe und nun ein Säuberungsprozess beschritten werden müsse. Was denn nun? Mit diesen Aussagen und den eingeleiteten Maßnahmen hat Ursula von der Leyen der Bundeswehr in einer nicht zu leugnenden Krise einen Bärendienst erwiesen. Indem Sie Soldatinnen und Soldaten damit – natürlich unbeabsichtigt, wie nun überall ganz brav von ihr selber und auch Claqueuren betont wird – unter Generalverdacht stellte. Ihr Generalinspekteur ordnete daraufhin eine Durchsuchung aller Kasernen an, weil in Illkirch Darstellungen von Wehrmachtssoldaten an den Wänden eines Aufenthaltsraumes gefunden wurden. Interessanterweise sah man nur am Mittwoch bei N-TV, dass da eben auch preußische Grenadiere an die Wände gezeichnet wurden, der sogenannte „Bunker“ also mitnichten eine reine „Wehrmachtsgedenkstätte“ ist. Auswüchse dieses Durchsuchungsaktionismus sind von Wänden abgehangene Bilder, übermalte Wandzeichnungen, ausgeschnittene Kompanie-Leitsprüche, herausgesägte Elemente von Wandgestaltungen zur Erinnerung an Afghanistaneinsätze. Das prominenteste Opfer: Ein Bild, das den Namenspatron der Bundeswehruniversität in Hamburg Altbundeskanzler Helmut Schmidt, in Uniform zeigte, wurde per Befehl entfernt. Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man anfangen hysterisch zu lachen.
Lassen Sie mich in aller Deutlichkeit festhalten:
1. Diese Personen, die sich da in höchst krimineller Art und Weise als Flüchtlinge registrieren ließen und mutmaßlich einen schweren Anschlag vorbereiteten, sind für mich keine Soldaten der Bundeswehr. Als ehemaliger Offizier beschämt es mich  zutiefst, dass die beiden in Kasernen festgenommenen Personen Teil des Offiziercorps gewesen sein sollen. Und es beschämt mich auch, wie da offensichtlich zu Gunsten einer Karriere auf notwendige Maßnahmen verzichtet wurde, nachdem er seine „Masterarbeit“ eingereicht hatte.
2. Sollten sich die Vorwürfe aus Pfullendorf und Bad Reichenhall bewahrheiten, so sind auch dort alle notwendigen Konsequenzen zu ziehen.
3. Die Ermittlungen der Bundesanwaltschaft und Staatsanwaltschaften sind abzuwarten, bis zur erwiesenen Schuld gilt in Deutschland immer noch das Unschuldsprinzip. Anhand der sich ja fast täglich schon überschlagenden Ereignisse kann ich nur konstatieren, dass die Bundeswehr tatsächlich eine massive Führungsschwäche hat undauch ein extremes Haltungsproblem. Und wo fängt der Fisch sprichwörtlich an zu stinken? Richtig – am Kopf!
Anders ist das auch in diesem Fall nicht: Mit so tollen Themen wie Kindertagesstätten in Kasernen, attraktiven Stuben (Flachbild-Fernsehern und Kühlschrank), einer Arbeitszeitverordnung, einem medial wunderschön inszenierten Diversity-Workshop und einer Youtube-Serie will Frau Ministerin die Bundeswehr zu einem Arbeitgeber machen, der mit anderen Unternehmen um Arbeitnehmer konkurrieren kann. Dabei wird reformiert, hier und da eine Personalie recht rabiat geändert und immer schön in Kameras gelächelt. Aber die Soldaten? Ja, die sind dann schöne Staffage.
„Ich entdecke gerade mein Herz für die Bundeswehr“, sagt die Ministerin während einer Reise zur Marine am Horn von Afrika. Da ist sie bereits 100 Tage im Amt! Die gleiche Ministerin ist es dann, die sich nun hinstellt und die Soldatinnen und Soldaten geschlossen in Sippenhaft nimmt, wenn sie von „Führungsschwäche“ und „Haltungsproblemen“ spricht. Das Ganze nachdem ein verdienter General von seinem Posten abgesetzt wird – und das freundlicherweise zuerst aus dem Internet erfährt. Wie will ich Menschen führen, wenn ich respektlos Personalentscheidungen vornehme, meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern verbal rechts und links was um die Ohren haue, dann ein bisschen streichle und dann gleich auch noch einen Säuberungsprozess hinterherschiebe? „Loyalität ist keine Einbahnstraße!“ möchte man da Frau von der Leyen zurufen.
Aber wie steht es denn um die Haltung? Wo waren Sie die Generalskameraden, um ihren Kameraden beizuspringen? Wo sind sie, wenn es darum geht, der Ministerin mal kontra zu geben? Der von mir sehr geschätzte ehemalige Wehrbeauftragte Reinhold Robbe sagte einmal: „Wer goldene Sterne links und rechts trägt, der kann auch mal den Mund aufmachen.“
Leider hat sich das keiner der Herren zu Herzen genommen. Wenn man dann abgesichert im Ruhestand ist, kommen sie mutig um die Ecke… Haltung sieht anders aus, sehr geehrte Herren Generale. Stattdessen machen junge Offiziere ihren
Mund auf: Major Marcel Bohnert äußerte sich in der FAZ kritisch, was ihm danach passierte kann in einem Artikel von Marco Seliger nachgelesen werden. Hauptmann Florian Kling, Sprecher des Darmstädter Signals, fordert Offiziere mit „Arsch in der Hose“ und weist zu Recht darauf hin, dass durch die Arbeitszeitverordnung und Einsatzausrichtung das staatsbürgerkundliche Unterrichtsfach „Politische Bildung“ nun keine Rolle mehr spielt. Und wissen Sie was, geneigte Leserinnen und Leser? Ich möchteden beiden zurufen: „Mehr davon! Verstummt nicht!“ Und die anderen Kameraden möchte ich fragen: „Wo seid Ihr? Wollt Ihr Euch das bieten lassen?“
Lesen Sie morgen Teil 2 über die Traditionslinien der Bundeswehr…
Björn Schreiber ist 35 Jahre alt und Kapitänleutnant der Reserve. In seinen 12 Dienstjahren absolvierte er drei Auslandseinsätze, u.a. zweimal in Afghanistan. Er ist Herausgeber des Buches „Die unsichtbaren Veteranen – Kriegsheimkehrer in der deutschen Gesellschaft“.

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