Deutsche Priesterausbildung ist an der Nulllinie

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von PETER WINNEMÖLLER

Wenn ein Thema in der Vollversammlung der deutschen Bischofskonferenz angekommen ist, dann ist es nicht selten schon bis zum Erbrechen diskutiert worden. Nun hat die Konferenz keine Kompetenz. Sie ist ein Organ, das dazu dient, die Pastoral in einem Staat oder einem Kulturraum zu koordinieren. Der Priestermangel ist nun schon gut und gerne 30 Jahre alt. Während in den 80er Jahren im Bistum Paderborn gut 30 junge Männer pro Jahr zu Priestern geweiht wurden, sind es nun gerade mal noch drei. Der Faktor zehn ist schon ein kräftiges Argument. In anderen Bistümern werden auch schon mal null(!) junge Männer zu Priestern geweiht. Nicht von ungefähr sagte der Sprecher der deutschen Regenten (Leiter der Priesterausbildung in einem Bistum), die Priesterausbildung in Deutschland habe die Nulllinie erreicht. Die Nulllinie meint den Herztod, da gibt es nichts zu deuteln.

Die Lösungsmuster der meist linkskatholischen Verbände und ihrem Zentralkomitee sind denkbar einfach. Frauen zu Priestern weihen und den Zölibat aufheben. Man fragt sich, wie realitätsfern so ein deutscher Funktionär eigentlich sein kann. Die Frage von Frauenpriestertum hat der Heilige Papst Johannes Paul II. ein für alle mal geklärt. Diese Tür sei zu, sagt auch Papst Franziskus. Der Freistellung des priesterlichen Zölibats hat der angebliche Superreformpapst gerade in einem Interview mit der Wochenzeitung DIE ZEIT eine klare Absage erteilt. Über Viri probati (wörtl. erfahrene Männer) will er nachdenken lassen. Darin sagt er auch, dass wir dann über die Aufgaben der Viri probati nachdenken müßten. Von einer Lösung für Priestermangel spricht der Papst da nicht. Viri probati würden uns sehr schnell sehr viel alte Priester bringen. Das will eigentlich auch keiner. Das löst auch keine Problem. Sind – wie dies in den letzten Jahren tausend mal passiert – alle Nichtlösungen abgehakt, setzt eine verhaltene Ratlosigkeit ein. Die Funktionäre warten auf das nächste Memorandum, die Presse verkündet den Untergang der Kirche und die Traditionalisten postulieren die Rückkehr zur Alten Messe.

Diese Langeweile verbreitet sich in der und um die Kirche seit Jahrzehnten. Seit Jahrzehnten finden sich Personalplaner in den Bistümern damit ab, daß sie immer mehr Priesterstellen streichen müssen und immer weniger Priesterstellen besetzen können. Bis zur nächsten Runde der Stellenstreichungen sind die Personalchefs in der Regel damit beschäftigt, ein Loch mit dem anderen zu stopfen. Die Gemeinden müssen sich damit abfinden, daß der nächstwohnende Priester immer weiter weg ist.

Die Kirche ist nun einmal sakramental. Das Amt ist sakramental und die Seelsorge ist sakramental. Da beißt keine Maus den Faden ab. Sicher machen hauptamtliche Laien oft eine gute Seelsorge, aber die Sakramentalität fehlt und damit ist das nur ein Notbehelf. Alles Drumherumgerede von wegen Wert und Würde der Laien in der Pastoral ist schlicht und ergreifend Quark, wenn nicht eines klar ist: Sobald wieder genug Priester da sind, werden sie auch in der Seelsorge eingesetzt. Im Gegensatz zum Priester, der kein Angestellter ist, können hauptamtliche Mitarbeiter in der Pastoral durchaus entlassen werden. Einen Priester kann der Bischof nicht entlassen, wenn nicht eine schwerwiegende Verfehlung vorliegt.

Wenn wir also zu wenig Priester haben, dann ist das Amt in der Krise. Ob wir zu wenig Priester haben oder nicht, darüber kann man weidlich streiten. Eines dürfte sicher sein, wenn die Weihe ein Sakrament ist, ein Zeichen des Heils, dann kann es davon nie zu viel geben. Zu viele Priester, das wäre ein Widerspruch in sich. Zu wenige Priester gibt es dann und genau dann, wenn die Laien einen Mangel empfinden. Der Mangel äußert sich nicht darin, daß die Messe nicht zu der Uhrzeit gefeiert wird, zu der sie vor 100 Jahren schon gefeiert wurde. Ein Mangel ist es sicher nicht, zehn Kilometer zur Messe fahren zu müssen. Wir fahren hunderte von Kilometern ins nächste Outletcenter. Also bitte!

Doch es ist ein Mangel, wenn Alte und Kranke keinen Priester mehr zu sehen bekommen. Wenn die Krankensalbung oder der Versehgang für einen Sterbenden zu einem Problem wird. Es ist ein Mangel, wenn kein Requiem für einen Toten gefeiert wird. Beerdigen kann jeder, wenn das kein Priester macht, ist das kein Mangel. Ein Mangel liegt immer dann vor, wenn die sakramentale Begleitung eines Gläubigen zu Recht gewünscht aber nicht möglich ist. Wenn wir diese Definition von Mangel ansetzen, dann haben wir Mangel, obwohl das Verhältnis von praktizierenden Gläubigen zu Priestern noch nie so gut war.

Nun beschäftigen sich also unsere Bischöfe mit dem dramatischen Priestermangel. Die Erwartungen dürfen ruhig nach ganz unten geschraubt werden. Da wird kein großer Wurf herauskommen. Und dennoch gibt es ein paar gute Gedanken. Der Papst sagte im oben genannten Interview, es müsse mehr Kinder geben, dann gebe es mehr Priester. Da steckt eine nicht zu leugnende Logik drin. Das Gebet betont der Papst immer. Auch das zu Recht. Einen weiteren guten Gedanken äußerte der Jugendbischof der DBK gestern auf einer Pressekonferenz. Jugendarbeit sei Beziehungsarbeit, so der Bischof von Passau. Daß Berufungspastoral und Jugendpastoral Hand in Hand gehen, dürfte klar sein. Nun frage man einmal einen Priester nach seinem Berufungsweg. In den allermeisten Fällen taucht darin ein Priester oder Ordensmann als geistliches Vorbild auf. Woher sollen also die jungen Priester kommen, wenn die alten Priester nur noch in Strukturen gefangen sind und keine Zeit für Beziehungsarbeit mehr haben? Ob sich in künftigen Pastoralkonzepten allerdings eine Option für beziehungsorientierte Jugendarbeit findet, darf man durchaus bezweifeln. Dennoch: Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Es wird Zeit für innovative Ansätze in der Berufungspastoral.

Bildquelle:

  • Priester: dpa
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