Der Fall Stada: Finanzinvestoren setzen längst auf Kontinuität und dauerhafte Rendite

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von DR. PATRICK PETERS

Der Übernahmepoker hat ein Ende: Stada, Pharmaunternehmen aus Bad Vilbel bei Frankfurt und Hersteller von bekannten Mitteln wie „Grippostad“ und „Ladival“, wird an die Beteiligungsfirmen Bain Capital und Cinven verkauft. Die Investmentgesellschaften lassen sich den deutschen Mittelständler 5,3 Milliarden Euro kosten und zahlen zusätzlich auch noch die von Stada bereits in Aussicht gestellten Dividende von 72 Cent pro Aktie.

Für die Anleger der Stada Arzneimittel AG, die auf die 1895 in Dresden gegründete Genossenschaft der Apotheker zurückgeht, ist das also ein gutes Geschäft. Und für die anderen? Was ist mit den Mitarbeitern, den Lieferanten und den Verbrauchern? Bain Capital und Cinven, das sind doch Heuschrecken, die das Unternehmen, immerhin der viergrößte deutsche Pharmahersteller (der übrigens schon lange ein heißer Übernahmekandidat war), nur filetieren und auspressen wollen, um die Reste dann zu versenken, werden manche jetzt schreien, denen noch immer der vom früheren Bundesarbeitsminister Franz Müntefering geprägte, kapitalismuskritische Begriff der Heuschrecke für Finanzinvestoren im Ohr klingt und die damit weiterhin sympathisieren.

Freilich, es lassen sich Beispiele dafür finden, in denen Finanzinvestoren nach diesem Motto vorgegangen sind, um schnellstmöglich ihre Gewinne nach einem Unternehmenserwerb zu machen. Aber die Erfahrung der vergangenen Jahre hat gezeigt, dass sich der Markt fundamental geändert hat. Finanzinvestoren sind strategische Käufer, denen es auf Kontinuität und eine dauerhafte Rendite für die eigenen Anleger ankommt. Mit einem Wildwest-artigen „Rein-raus-Geschäft“ ist dies kaum noch zu machen. Vielmehr steht die langfristige Weiterentwicklung der Unternehmen im Fokus, um dauerhaft an deren Erträgen zu partizipieren. Häufiger sogar greifen Wettbewerber, die ein Unternehmen kaufen, zu radikaleren Mitteln, um direkt Synergien zu heben, als es Investoren tun.

So auch bei Stada. Bain Capital und Cinven wollen laut eigenen Aussagen für vier Jahre keine Arbeitsplatz-Restrukturierung durchführen, die über die bisherigen Pläne des Managements zu einem behutsamen Stellenabbau hinausgehen. Zugleich bleibt der Vorstandschef Matthias Wiedenfels im Amt – auch ein Zeichen dafür, dass Stada auch langfristig Stada bleiben soll. Bain Capital und Cinven setzen zudem auf eine visible Wachstumsstrategie. Stada soll durch weitere Zukäufe größer werden, die die Gesellschaften finanzieren. Das kann den Standort Bad Vilbel sogar noch einmal stärken.

Kurzum: Finanzinvestoren sind Teil der Wirtschaft geworden, und zwar ein wesentlicher. Und dass sie attraktive, erfolgreiche Unternehmen erwerben, ist ihr Geschäftsmodell. Wer dies populistisch kritisiert, verkennt die Wirklichkeit und die Chancen, die in einem Eigentümerwechsel stecken – vor allem dann, wenn dieser Eigentümer viel Geld für die Weiterentwicklung mitbringt. Das bringt neue Chancen für die Zukunft. Vielleicht sogar mehr, als wenn immer alles beim Alten bleibt.

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  • Geld_2: pixabay
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