Beim Fasten geht es um Askese und die Armen, nicht um eine Bikinifigur

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von PETER WINNEMÖLLER

Seit Mittwoch ist es wieder so weit. Die Fastenzeit hat begonnen. In zahlreichen Regionen des Landes hat man sich in Karneval oder Fastnacht noch einmal richtig ausgetobt. Am Aschermittwoch war dann alles vorbei. In unserer säkularisierten Welt macht man den Karneval durchaus noch mit. Der Hedonismus lässt schließlich keine Gelegenheit zur Party aus. Der Aschermittwoch stört dann schon eher. Warum sollte denn die Party auch vorbei sein?

Aschermittwoch geht etwas reibungsloser über die Bühne als andere stille Feiertage. Es gibt keine staatlichen Vorschriften, z.B. Tanzverbote oder ähnliches, zum Aschermittwoch. Darum gibt es keine Proteste. Mit der Reibungslosigkeit geht die Unauffälligkeit einher. Allenfalls sieht man ab und an noch ein Aschenkreuz auf der Stirn eines Katholiken. Ab jetzt geht es von der Welt ignoriert auf das Geheimnis unserer Erlösung zu. Die Kirche gönnt den Menschen Wochen der Vorbereitung auf die hohen Feste. Der Advent ist auch so eine Zeit. Auch wenn diese Zeit von Glühweinduft und Plätzchen erfüllt ist, so ist der Advent dennoch eine Buß- und Fastenzeit zur Vorbereitung auf das Fest.

Aber was soll das Fasten und warum soll man büßen? Die Fitness- und Gesundheitswelle macht  Fasten wieder attraktiv. Da sollen die Pfunde purzeln. Im Frühjahr fasten, dann ist im Sommer die Bikinifigur oder der Sixpack perfekt. Trifft da die Kirche den Nerv der Welt? Abnehmen hat mit christlichem Fasten gar nichts zu tun. Das Fasten, welches uns die Kirche empfiehlt, hat vielmehr etwas mit Caritas zu tun. Es geht um gute Werke und Buße.

Es mag in Zeiten von Discountern schwer nachzuvollziehen sein, doch das Fasten soll dazu anhalten, günstigere Lebensmittel zu verzehren und das Ersparte den Armen zu geben. Das und nur das ist der Sinn des Fastens. Also statt der Markenmilch jetzt die 10 Cent günstigere Milch kaufen? Da haben wir dann doch sofort die Ökoproteste an der Backe. Die Milchbauern bekommen sowieso schon zu wenig für ihre Milch. Und überhaupt, wäre es doch besser in der Fastenzeit, das Fleisch aus artgerechter Haltung beim Bauern um die Ecke zu kaufen. Das ist etwas teurer, da schauen die Armen dann in die Röhre. Hauptsache wir sind gute Menschen!

Es sollte, so hört man, in der Fastenzeit etwas ökologischer, naturnäher, fleischärmer, CO2 -neutraler sein. Das könnte doch auch ein Fasten sein. Ist es aber nicht.

Man könnte auf Internet, Facebook, Alkohol oder Sex verzichten. Auch das ist kein Fasten im Sinne des kirchlichen Fastengebotes. Es geht um Nahrungsverzicht zu Gunsten der Armen. Da beißt keine Maus den Faden ab. Und so ein Fasten passt nicht mehr in unsere Zeit. Also aufgeben? Das wäre wohl ein wenig schnell geschossen. Denn außer dem Fasten geht es in der Zeit ja noch um Buße und um gute Werke. Wir bereiten uns auf Ostern vor. Da ist uns alles nützlich, was uns geistlich voran bringt.

Die kirchliche Fastenordnung ist da ganz klar. Es gibt zwei gebotene Fast- und Abstinenztage. Das sind der Aschermittwoch und der Karfreitag. An diesen Tagen ist es geboten sich von Fleisch zu enthalten, das ist die Abstinenz. Außerdem soll man an gebotenen Fasttagen nur eine Sättigungsmahlzeit verzehren und zwei kleine Stärkungen zu sich nehmen. An den Freitagen der Fastenzeit ist dies so empfohlen. Nicht fasten darf, wer zu jung, zu alt, zu krank oder auf Reisen ist. Man erkennt das Augenmaß.

Das ist das entscheidende daran, mit Augenmaß zu fasten, damit es nicht nur dem Fastenden nicht schadet, sondern ihm wirklich ein geistlicher Nutzen ist. Wer sich tatsächlich dazu entscheidet, einmal so zu fasten, dabei auch noch mit Augenmaß auf das persönliche Gebet achtet und das, was wirklich eingespart wird, den Armen zukommen läßt, wird anders Ostern feiern.

Das nämlich ist der innerste Kern des Fastens: Sich zu öffnen für das Heilsgeheimnis von Ostern. Man tut das mit Buße und guten Werken. Deshalb gehört auch die Beichte zu einer guten Fastenzeit. Auch das freundliche Gesicht, zu dem Jesus den Fastenden rät, gehört dazu. Am Ende dient auch die Feier des zeitlichen Osterfestes hier in der Welt nur einem Ziel: der Hinführung auf das ewige Osterfest im Himmel. Nichts anderes ist das Ziel eines jeden christlichen Lebens.

Wer sich also in den kommenden Wochen ein wenig in der Kunst der Askese üben will, nichts anderes ist Fasten, mag da gerne tun. Am besten sucht man sich einen guten geistlichen Lehrer dazu oder gute geistliche Literatur dazu und geht das alles mit Augenmaß an. Da darf man dann ruhig mal von den Kindern der Welt lernen. Niemand läuft aus dem Stand einen Marathon. Es gehört maßvolles Training dazu.

Auch Askese will maßvoll geübt werden, sonst holt man sich einen geistlichen Muskelriß und gibt frustriert auf. Das wäre doch zu schade.

Bildquelle:

  • Bikini: dpa
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