Als Facebook an die Börse ging, lachten sie noch…

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von DR. PATRICK PETERS

Dass die globale Wirtschaft vor einem fundamentalen Paradigmenwechsel steht, hat sich schon länger angedeutet. Internet- und Technologieunternehmen erobern die Märkte und binden die klügsten Köpfe mit überdurchschnittlichen Gehältern und neuartigen Arbeitsbedingungen, die vom Bällebad im Foyer über die Bürokatze bis hin zu komplexen Lösungen für die bestmögliche Selbstentfaltung bei gleichzeitiger höchster Performance für das Unternehmen reichen – und das alles in Verbindung mit technologischen Innovationen dieser Unternehmen – ob Google oder Amazon, ob Facebook oder Uber oder, oder, oder –, die einen ungeheuren „Impact“ auf die Gesellschaft ausüben.

Das alles hat dazu geführt, dass Tech- und Online-Unternehmen jetzt auch die traditionellen Konzerne aus dem produzierenden und Finanzgewerbe von den vordersten Plätzen bei den Unternehmensbewertungen verdrängt hat. Nicht die Bank of America, Goldman Sachs und VW als größter Autohersteller der Welt gehören zu den wertvollsten Konzernen überhaupt: Apple führt mit einer Marktkapitalisierung von 751 Milliarden Dollar die Rangliste weiter vor der Google-Holding Alphabet (636 Milliarden) an. Hinter Microsoft (532 Milliarden) auf Platz drei belegen erstmals der Online-Händler Amazon.com (463 Milliarden) und Facebook (438 Milliarden) die Ränge vier und fünf. Das ergeben aktuelle Zahlen der internationalen Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft EY (Ernst & Young). Damit wurden aktuell Big Player wie Warren Buffets Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway oder auch der Ölriese Exxon Mobil auf hintere Plätze verdrängt.

Unter den 300 teuersten Unternehmen der Welt zählt EY in der Studie 36 IT-Konzerne. „Die Auswirkungen der Digitalisierung werden immer stärker sichtbar und erfassen immer mehr Branchen und Lebensbereiche. Wir erleben eine fundamentale Umwälzung, die angetrieben wird von innovativen und zunehmend auch hoch profitablen Technologiekonzernen“, sagt EY-Deutschland-Chef Hubert Barth zu den Ergebnissen. Von diesen 36 IT-Konzernen kommen aber nur drei aus Europa, darunter der deutsche Software-Hersteller SAP auf Platz 56 (Marktwert: 126 Milliarden Dollar). Für Hubert Barth ein Problem: „Die Digitalisierung schreitet in großen Schritten voran – und derzeit werden die Regeln in erster Linie von amerikanischen und asiatischen IT-Konzernen gemacht.“

Das fordert die deutsche und europäische Wirtschaft heraus, endlich für anständige Rahmenbedingungen zu sorgen, in denen die Entwicklung von Hightech-Unternehmen wirklich möglich wird. Sonst wird Europa irgendwann wirklich zu einem digitalen Entwicklungskontinent und immer hinterher hecheln. Es kann nicht im Interesse der „alten Welt“ sein, den USA und Asien den kompletten IT-Markt zu überlassen. So wichtig und wertvoll das SAP-Ergebnis ist: Es ist, gemessen an der internationalen Konkurrenz, eher Folklore.

Zugleich ist aber nicht alles verloren. Denn auch die IT-Wirtschaft braucht produzierendes Gewerbe, ohne Industrie kann auch die digitale Welt nicht bestehen. Und darin ist Europa stark, wie auch das Ranking zeigt: mit insgesamt 23 europäischen Unternehmen unter den Top 100.

Bildquelle:

  • IT_Revolution: pixabay
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