Wo Männer einen Urlaub in 30 Minuten genießen können: im Barbershop

Anzeige

von FELIX HONEKAMP

Düsseldorf – Hier bin ich Mann, hier darf ich’s sein! Wer als Mann regelmäßig einen „Damen- und Herren-Friseur“ aufsucht, der wird sich fragen, warum er sich dort zwischen „Gala“ und „Frau im Spiegel“ entscheiden muss, und ob er nicht besser seinen eigenen Lesestoff mitgebracht hätte. Das mag einer der Gründe sein, warum derzeit an allen größeren Orten Barbershops aus dem Boden schießen. „Barber“ – das englische Wort steht für den Barbier, was am ehesten einem Herrenfriseur entspricht, mehr noch aber einem Salon, in dem „Mann“ sich den Bart richten lassen kann: Entweder durch Rasur oder durch ein gekonntes in-Form-bringen der allzu sprießenden Räuber-Hotzenplotz-Bartpracht. Der klassische Barbier kümmert sich in der Tat eher um den Bart, der Haarschnitt ist dabei meist Nebensache, oft auf ein paar Standardfrisuren – für Männer durchaus ausreichend – reduziert.

Vielleicht kann die Renaissance des Barbiers durchaus auch einem wiederkehrenden Selbstbewusstsein der Männer um das eigene Äußere geschuldet sein. In gleicher Weise reüssieren aktuell Männermagazine jenseits der früheren Erotikschiene: Der Klassiker GQ steht im Markt wohl noch an erster Stelle, aber zwischen Walden (Freizeit), Beef (Küche) und Heritage Post (klassische Männermode und Lifestyle) ist ein Dickicht von Veröffentlichungen entstanden, die sich an den Mann wenden, der nicht als „metrosexuelles“ Frauenanhängsel verstanden sein möchte, sondern das Mannsein kultiviert.

Einer der Pioniere auf diesem Gebiet ist in Deutschland der 1994 mit seiner Familie aus dem Irak geflohene Hagi, eigentlich Shamsedin, der seit über 25 Jahren seinem Beruf nachgeht und seit kurzem mit Hagi’s Barbershop das führende Etablissement dieser Art in Düsseldorf führt. Was früher ein Friseursalon mit einer Kundschaft mit überwiegendem Migrationshintergrund war, ist durch Umzug und Umbau in zeitloses Design ein kleiner Urlaubsort für jeden Mann geworden, der sich eine Auszeit und seinem Kopf- und Gesichtshaar eine anständige Pflege zukommen lassen möchte. Beraten und unterstützt wurde und wird Hagi dabei durch seinen Sohn, der auch die Idee zu einen ausgewiesenen Barbershop hatte – ein Geschäftsmodell, das er vor allem sehr erfolgreich in Holland gesehen hatte. Dort gibt es auch die Tradition, den Barbierbesuch mit dem Genuss einer guten Zigarre zu verbinden – Auslöser dafür, dass man am Samstag zwischen 17 und 18 Uhr auch bei Hagi’s beides miteinander verbinden kann.

Bei einem Barbier wie Hagi’s kann also der Mann, der Mann sein und bleiben möchte, das Notwendige und Nützliche mit dem Angenehmen verbinden: Schwere Ledersessel, heiße Tücher für Bart und Gesicht, anständiger Kaffee, keine „Frau im Spiegel“, keine Cosmopolitan, dafür gute Magazine für den Mann. Keine Dauerschleifen-Lounge-Musik, schon gar kein Schlager: in einem anständigen Herrensalon läuft Soul, Hip-hop … oder Frank Sinatra, der Mann, bei dem man, wenn man ihn hört, direkt ein bisschen aufrechter läuft. Dazu ein Barbier, der nicht der Meinung ist, dass Haare von Männern einfacher zu schneiden seien als die von Frauen und sich der Herausforderung stellt, die Haare so zu schneiden, dass es gut aussieht ohne allzu frisiert zu wirken. Und einer, der weiß, dass der Bart eines Mannes keine Marotte und schon gar kein Produkt der morgendlichen Müdigkeit ist, sondern gepflegt und getrimmt gehört. Und noch dazu einer, der zu reden in der Lage ist, bei dem man aber nicht das Gefühl hat, unhöflich zu sein, wenn man einfach schweigt: Der Barbier weiß, was sein Auftrag ist und lässt seinen Gast – als solcher fühlt man sich dann schnell – auch gerne in Ruhe seinen Gedanken nachhängen.

Und damit ergibt sich eine ganz andere Szenerie als beim normalen deutschen Herrenfriseur oder gar einem, der ebenfalls überall zu findenden Haardiscounter: Anfang und Ende sind gleich – erst eine überholungsbedürftige Haarpracht, anschließend eine gepflegte Frisur und ein gepflegter Bart – aber die Zeit dazwischen könnte unterschiedlicher kaum sein. Aus einer Dienstleistung, die an einem selbst durchgeführt wird, ist eine kleine Auszeit geworden. Ein technischer Vorgang, nach dem man kürzere Haare hat als vorher, wird zum Urlaub von einer guten halben Stunde, der Schwung gibt für den weiteren Tag. Ja, anschließend sieht man besser aus als vorher, vor allem aber fühlt man sich hinterher besser. Der Barbier ist – auch wenn man seinen Namen nicht erfahren haben mag und ihn vielleicht nie wieder sehen sollte, einen vielleicht auch sonst Welten trennen – für diese halbe Stunde zu einem Freund geworden.

Wer will, kann sich also seinen Haarschnitt weiterhin in Begleitung seiner Frau in einem Salon mit dem klassischen Namen „Bei Monika“ oder für ein Paar-Euro-Neunundneunzig bei einem Cut & Go machen lassen; die kriegen die Haare auch kurz. Wer sich selbst aber etwas gönnen will, anschließend auch seinen Freunden als ein ganz klein bisschen besserer Mensch begegnen will – sowohl optisch als auch im Sinne eines entspannteren Wesens – für den ist der Besuch beim Barbier eine lohnende Investition (und alle paar Wochen auch keine Großausgabe).

Damit nun niemand meint, er müsse für einen solchen Kurzurlaub nach Düsseldorf reisen: Gute Barbiere gibt es zwischenzeitlich in jeder größeren deutschen Stadt, so wie den Barbershop Cologne in Köln (http://barbershop-cologne.de/) Halit’s Barber Shop in Berlin (http://halitsbarbershop.de/), Barbiere da Roberto in Bonn (http://www.barbiere-da-roberto.de/) , den Torreto Barbershop in Frankfurt (http://www.torreto-barbershop.de/), Queens and Fools in Hamburg (http://www.queensandfools.de/) oder Barber House in München (http://www.barberhouse.com/) [Quelle: Barbershop Guide bei Snobtop – http://www.snobtop.com/barber-shop-guide-fuer-deutschland/]

Bildquelle:

  • Hagi’s_Barbershop: hagi's barbershop
Anzeige