100 Jahre Marienerscheinungen in Fatima: Was soll passiert sein und was sagt die Kirche dazu?

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von PETER WINNEMÖLLER

Heute, am Samstag, 13. Mai 2017, jährt sich zum hundertsten Mal die erste Marienerscheinung von Fatima. Eine Frau erschien drei Hirtenkindern. Lucia, Jacinta und Francesco sahen die Jungfrau Maria sechs Mal immer am 13. des Monats. Einmal, im August, erst am 19. weil sie daran gehindert waren, zum Erscheinungsort zu kommen. Der zivilen Regierung waren die Erscheinungen suspekt. Sie versuchten sie zu verhindern. Man nahm die Kinder in Gewahrsam und verhörte sie. Die Kinder blieben dabei standhaft und erstaunlich gelassen.

Durch vorherige Erscheinungen von Engeln waren die Kinder vorbereitet worden. Sie kamen aus einfachen Familien, waren Analphabeten und arbeiten schon als Hirten. Sie galten als fromm und aufgeweckt. Nach den Erscheinungen von Engeln, die sie zum Gebet aufforderten, begannen die Marienerscheinungen. Maria vertraute den Kindern im Laufe der sechs Monate drei Geheimnisse an und forderte durch die Kinder die Welt zu Gebet und Buße auf. Es war ihr Wunsch, dass der Papst Russland ihrem unbefleckten Herzen weiht, damit es sich bekehre. Sie ließ die Kinder einen Blick in die Hölle werfen und kündigte Jacinta und Francesco an, sie bald zu sich zu holen.

Zu den Erscheinungen kommen im Laufe der Zeit immer mehr Menschen. Am 13. Oktober 1917 fanden sich über 70.000 Menschen am Erscheinungsort ein und wurden Zeugen des Sonnenwunders. Die Erscheinungen von Fatima prägten das kirchliche Leben im 20. Jahrhundert wie kaum ein anderes Ereignis. Nach umfangreichen Prüfungen wurden die Erscheinungen von der Kirche am 13. Oktober 1930 als echt anerkannt. Jacinta und Francesco starben dann in der Tat sehr früh mit zehn und elf Jahren. Lucia, die Cousine der beiden, starb im Jahr 2005 mit 97 Jahren im Karmel in Coimbra in Portugal. Am 13. Mai 2000 sprach Johannes Paul II. die beiden Seherkinder Jacinta und Francesco selig.

Zur gleichen Zeit wurde auch das dritte und letzte Geheimnis von Fatima veröffentlicht. Papst Johannes Paul II., der am 13. Mai 1981 auf den Petersplatz in Rom angeschossen worden war, sah einen engen Zusammenhang zwischen dem Attentat auf ihn und diesem dritten Geheimnis. Den Spekulationen um das Geheimnis sollte nun ein Ende bereitet werden. Die Frage der Gewichtung von Privatoffenbarungen wurde in dem Zusammenhang erneut beleuchtet. Zu diesem Zweck ist die Veröffentlichung der drei Geheimnisse eingebettet in eine umfangreiche Dokumentation. Der damaligen Präfekt der Glaubenskongregation Josef Kardinal Ratzinger, später Papst Benedikt XVI., verfasste zudem einen Kommentar zum Geheimnis von Fatima.

In der Dokumentation nimmt der Kardinal eine klare Unterscheidung vor, die nicht nur für das Verständnis der Geheimnisse wichtig ist. Es geht dabei insgesamt um das Verhältnis von öffentlicher Offenbarung zu Privatoffenbarungen. Die öffentliche Offenbarung des Glaubens hat in der Ankunft Christi in der Welt ihren unüberbietbaren Höhepunkt gefunden und ist, wie Kirche sagt, mit dem Tod des letzten Apostels abgeschlossen. Daran kann es keine Veränderung mehr geben. Aber wie der Katechismus lehrt, ist diese nie zur Gänze ausgeschöpft und es bleibt eine bestehende Aufgabe, sich um ein immer tieferes Verstehen zu bemühen.

Die Privatoffenbarung kann insofern niemals etwas beinhalten, was dem Glauben der Kirche widerspricht. Sie kann auch niemals eine Ergänzung dessen sein, was Gott in seinem Sohn Jesus Christus geoffenbart hat. Damit ist die Autorität einer Privatoffenbarung ganz wesentlich anders als die der öffentlichen Offenbarung. Während letztere den Glauben unbedingt einfordert, kann erstere nur als eine Hilfe zu diesem Glauben aufgefaßt werden. Alles, was die katholische Kirche also mit Bezug auf Schrift und Dogma lehrt, beansprucht zu Recht geglaubt zu werden.

Was hingegen ein Seher schaut und der Welt mitteilt, kann die Kirche anerkennen, wenn es in keiner Weise dem Glauben widerspricht. Es kann helfen, den Glauben zu verbreiten und zu leben. Das zu beurteilen, gibt es strenge Kriterien. Eine solche Prüfung dauert oft sehr lange. Auch gibt es strenge Auflagen für die Seelsorger im Zusammenhang mit Privatoffenbarungen. Jedoch legt die Kirche dem Gläubigen für seine private Frömmigkeit solche Hürde nicht auf. Wer privat an eine Privatoffenbarung glauben will, die nicht als falsch oder gar häretisch verurteilt ist, darf dies tun, auch wenn die Kirche sie nicht anerkannt hat.

Auf keinen Fall wird die Kirche universal verlangen, an eine Privatoffenbarung zu glauben. Man kann gut katholisch sein und die Erscheinungen von Fatima komplett ignorieren.

Zu recht verweist die Dokumentation allerdings darauf, daß es das Charisma der Prophetie zu allen Zeiten in der Kirche gegeben hat und es von der Kirche immer wertgeschätzt wurde. „Löscht den Geist nicht aus! Verachtet prophetisches Reden nicht! Prüft alles und behaltet das Gute!“ (1 Thess 5,19-21), zitiert er den Apostel Paulus. So stellt sich die Frage, ob es klug wäre, die Botschaften von Fatima besonders in unserer Zeit nicht zu achten.

 

Fortsetzung folgt (Teil II befaßt sich mit Inhalt und Bedeutung der Botschaften von Fatima)

Bildquelle:

  • Prozession_Fatima: planetportugal
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